Politik : Ärztebund kritisiert Arzneiregelung

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Berlin - Nach der Einigung der Koalition auf ein Arzneimittel-Sparpaket hat der Ärzteverband Marburger Bund heftige Kritik an den Plänen geübt. Man versuche, die Ärzte in Haftung für die Pharmaindustrie zu nehmen, sagte Verbandschef Frank Ulrich Montgomery in einem Gespräch im Inforadio des RBB mit dem Tagesspiegel.

Dabei hätten die Mediziner die Zahl der Verordnungen in den vergangenen 15 Jahren bereits um 25 Prozent reduziert. Außerdem sei der Anteil von Generika, also von billigen Nachahmerpräparaten, hierzulande im Vergleich mit allen Industriestaaten Europas bereits am höchsten. „Der Rest aber ist von der Pharmaindustrie so teuer gemacht worden, dass sich damit immer noch satte Gewinne einfahren lassen.“

Montgomery kritisierte in diesem Zusammenhang den „dauernden Kotau der Politik vor den Spitzenetagen der Pharmaindustrie“. Dadurch und nicht durch das Verschreibungsverhalten der Ärzte gebe man „inzwischen im ambulanten Bereich mehr Geld für Pillen aus als für die Leistungen aller Ärzte und ihrer Helfer zusammen“.

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass Ärzte einen Bonus bezahlt bekommen, wenn sie unter der Zielgröße der Arzneimittelausgaben bleiben. Überschreiten sie die Zielgrößen jedoch um mehr als zehn Prozent, müssen sie finanzielle Abschläge in Kauf nehmen. Allerdings kann die Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen in den Regionen eigene Regelungen für maßvolle Arzneiverordnungen beschließen, um die bundesweite Bonus-Malus-Regelung zu umgehen.

Außerdem sollen die Krankenkassen die Möglichkeit erhalten, Patienten von Zuzahlungen zu befreien, wenn sie beim Arzt „auf die Verordnung eines besonders preiswerten Präparats drängen“. Als preiswert definieren die Gesundheitspolitiker der Koalition Präparate, deren Apothekenabgabepreis 30 Prozent unter dem Festbetrag liegt. raw

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