Politik : Ärztekammer fordert Moralkodex

Ulm/Bonn - Die Bundesärztekammer hat als Reaktion auf die geplante Ausweitung der Stammzellenforschung in Großbritannien einen ethischen Moralkodex für Mediziner in Europa gefordert. „Nicht alles, was machbar ist, ist auch vernünftig und sollte gemacht werden“, sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, am Rande des 111. Deutschen Ärztetages. Dabei dürften die Forscher nicht immer nach dem Gesetzgeber rufen, sondern müssten selber aktiv werden. Ergebnis dieser Debatte dürfe aber nicht sein, dass Forscher strafrechtlich verfolgt werden.

Das britische Parlament hatte für die Herstellung von Embryonen aus Menschen-Erbgut und Tier-Eizellen gestimmt. Zudem befürwortete es die Auswahl von Embryonen, um kranke Geschwister zu retten. Dabei suchen Ärzte nach einer künstlichen Befruchtung einen Embryo aus, der genetisch am besten zu einem lebensbedrohlich erkrankten Kind passt. Diese erhalten dann zur Therapie Zellen aus der Nabelschnur oder des Knochenmarks des ausgewählten „Retter-Geschwisters“. Die Herstellung von Wesen aus Tier und Mensch lehnte Montgomery ab. „Das ist mit der Würde des Menschen, die beim Embryo vorhanden ist, nicht vereinbar“, sagte er.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bezeichnete die Arbeiten mit Embryonen aus Tier und Mensch als wissenschaftlich problematisch und wenig zielführend. „Man sollte dieses Thema sehr behutsam handhaben“, sagte DFG-Vizepräsident Jörg Hinrich Hacker. In Deutschland hätten derartige Experimente keine Perspektive, da die deutsche Bevölkerung bei der Stammzellenforschung ohnehin eine eher restriktivere Auffassung habe. dpa

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