Politik : Ärztepräsident warnt vor Korruption

Cordula Eubel

Berlin - Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hat einigen Krankenkassen in direkt vorgeworfen, Ärzte bestechen zu wollen. Da die Kassen seit diesem Jahr für 80 ausgewählte Krankheiten mehr Geld aus dem neu eingeführten Gesundheitsfonds bekommen, versuchten sie, die Ärzte nun zu entsprechenden Diagnosen zu drängen. „Deshalb schicken sie jetzt sogenannte Berater in die Praxen (...). Da wird sogar mit Geld gewinkt“, sagte Hoppe in einem Interview mit „Bild.de“. „Wir haben Angst, dass Ärzte korrumpierbar werden“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer.

Mit dem Start des Gesundheitsfonds gibt es seit 2009 einen neuen Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen. Die Kassen erhalten eine Pauschale für jeden Versicherten, die sich nach dem Alter und Geschlecht der Person richtet. Darüber hinaus bekommen sie einen Zuschlag für Patienten mit besonders häufigen chronischen Erkrankungen und mit Krankheiten, deren Behandlung besonders teuer ist. Kritiker bemängeln seit längerem, dass durch die Fest legung der 80 Krankheiten Manipulationen dadurch möglich seien, dass Versicherte als kränker eingestuft würden, als sie tatsächlich sind.

Unbestritten ist, dass es sich für die Kassen durch den neuen Finanzausgleich lohnt, genauer als bisher auf die Diagnosen zu achten. Einige Kassen wie die AOK Niedersachsen und die BKK Salzgitter hatten vor dem Start des Gesundheitsfonds niedergelassene Ärzte angeschrieben und diese gebeten, unklare und unvollständige Diagnosen von Patienten noch einmal zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Der AOK-Bundesverband begründet dieses Vorgehen damit, dass falsche Kodierungen von Krankheiten berichtigt werden sollen. „Es geht darum, dass die Mittel aus dem Gesundheitsfonds nach dem tatsächlichen Krankheitsstand verteilt werden sollen“, sagte eine Sprecherin. Weder Ärzte noch Krankenkassen hätten etwas davon, Diagnosen zu fälschen. „Wir würden uns dadurch nur selbst schaden“, sagte die AOK-Sprecherin. Cordula Eubel

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