Politik : Ärzteproteste: Tarifgespräche in Sicht

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Berlin Rund 2500 Klinikärzte aus dem gesamten Bundesgebiet haben am Freitag mit einem Protestzug durch die Mitte Berlins gegen aus ihrer Sicht unzumutbare Arbeitsbedingungen protestiert. Die Mediziner kritisierten vor allem unbezahlte Überstunden, zu lange Dienstzeiten und Einkommensverluste wegen der gekündigten Tarifverträge. Eine der Forderungen der Teilnehmer lautete, dass Nacht- und Bereitschaftsdienste voll bezahlt werden, inklusive Feiertagszuschläge.

Der Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, signalisierte die Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Tarifgesprächen. „Wir wollen verhandeln“, sagte er im ZDF. „Jeder, der mit uns redet, ist willkommen, und wenn er ein gutes Angebot hat, kriegt er von uns einen Handschlag.“

Die Länder streben ebenfalls neue Gespräche an. Dies versicherte der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Länder, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Die Gewerkschaft Verdi habe die Länder zwar bei den Verhandlungen mit Bund und Kommunen ausgeschlossen, sagte Möllrings Sprecher Jürgen Tostberg dem Tagesspiegel. „Wir sind aber immer zu Verhandlungen bereit.“ Außerdem habe Möllring der Gewerkschaft Ende April angeboten, gesondert über die Situation der Ärzte zu verhandeln. „Auf dieses Schreiben gibt es bis heute keine Antwort.“ Montgomery müsse sich zunächst mit Verdi einigen, weil der Marburger Bund sein Verhandlungsmandat auf Verdi übertragen habe. Der Ärzteverband lehnte es ab, dies zu ändern. Auf der gestrigen Protestkundgebung der Ärzte war jedoch die deutliche Forderung an den Marburger Bund zu hören, die Verbindung mit Verdi zu lösen und selbst die Tarifverhandlungen für die Ärzteschaft zu übernehmen.

Auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe rief die Tarifparteien auf, weiterzuverhandeln. Ärzte dürften nicht schlechter bezahlt werden als Richter, Lehrer oder vergleichbare Berufe, sagte Hoppe dem Tagesspiegel. I.B./pet/raw

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