Äthiopien : Tod in der Danakil-Wüste - Eines der Opfer stammt aus Brandenburg

In Äthiopien sind fünf ausländische Touristen, darunter zwei Deutsche, getötet und vermutlich mehrere entführt worden. Wie die Lausitzer Rundschau berichtet, stammt einer der Toten aus Cottbus.

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Faszinierend - und gefährlich: die Landschaft an der Danakil-Senke in Äthiopien nahe der Grenze zu Eritra.
Faszinierend - und gefährlich: die Landschaft an der Danakil-Senke in Äthiopien nahe der Grenze zu Eritra.Foto: dpa

Am Tag nach dem Überfall blieb die Lage diffus – die Gruppe war in einer landschaftlich spektakulären, aber abgelegenen Region im Norden des Landes an der Grenze zu Eritrea unterwegs. Fünf Touristen wurden bei dem Überfall in der Danakil-Senke getötet: zwei Deutsche, zwei Ungarn und einen Österreicher. Nach einem Bericht der Zeitung Lausitzer Rundschau stammt eines der Opfer aus Cottbus. Der 58-Jährige arbeitete nach Angaben der Zeitung bei der Cottbuser Theaternative C.

Nach Angaben des Vize-Missionsleiters der äthiopischen Botschaft in Berlin, Botschafter Shamebo Fitamo, liegen noch ein Italiener und ein Belgier verletzt im Krankenhaus. Dem Rest der 20 Menschen zählenden Gruppe gehe es den Umständen entsprechend gut. Seine Regierung arbeite eng mit den Regierungen der betroffenen Staaten zusammen. Niemand habe mit einer solchen Tat gerechnet.

Er machte die eritreische Regierung dafür verantwortlich. Sie trainiere die „Terroristen“ und rüste sie aus. Es sei bekannt, dass Eritrea die Region destabilisiere. Demnach stellten die Entführer zunächst keine Forderungen. Das Auswärtige Amt (AA) richtete einen Krisenstab ein. Das Bundeskriminalamt (BKA) entsandte Mitarbeiter nach Äthiopien. BKA-Chef Ziercke wollte sich im ARD-Morgenmagazin nicht festlegen, ob es sich um Rebellen handelt.

In der kommende Woche ist ein Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba geplant. Addis vermutet einen Zusammenhang. Das Verhältnis zwischen Äthiopien und Eritrea ist sehr gespannt. Äthiopische und eritreische Rebellen hatten jahrelang gegen die faktische Annektierung Eritreas durch das Regime in Addis gekämpft, das 1991 gestürzt wurde. Mit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 verlor Äthiopien seinen Zugang zum Meer.

Bald gab es Grenzstreitigkeiten, von 1998 bis 2000 führten beide Länder Krieg. In der Afar-Region ist die Rebellengruppe „Revolutionäre Demokratische Einheitsfront Afar“ (Arduf) aktiv, der auch Entführungen 1995 und 2007 zur Last gelegt werden. Sie kämpft für eine Abspaltung der Afar-Region von Äthiopien. Allerdings mögen die dort lebenden Nomaden Ausländer offenbar auch nicht besonders, wer dort reist, muss sich jeweils mit dem Stammesältesten arrangieren. Zudem sind viele Menschen dort bewaffnet.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes (AA) sagte, für die Region gelte seit 2007 eine „erhöhte Risikolage“. Auf der Seite des AA steht mit Hinweis auf die Danakil-Senke und Nord-Afar: „Trotz einer Zeit relativer Ruhe können Überfälle durch Banditen und örtliche Untergrundorganisationen sowie Entführungen nicht ausgeschlossen werden.“

Offenbar buchten die Deutschen über den Dresdner Veranstalter Diamir Erlebnisreisen. Möglicherweise wurden sie über einen lokalen Agenten mit anderen in eine Gruppe vermittelt. Das ist durchaus üblich. Derzeit ist Hauptreisezeit. Die Region wurde in den vergangenen Jahren bei Abenteuerurlaubern immer beliebter. Dort gibt es Vulkane und Salzseen. Reiseveranstalter preisen das enorm heiße Gebiet auch als tiefsten Punkt der Erde an. Diamir lehnte jegliche persönliche Stellungnahme ab und verwies ans AA. Auf der Internetseite, die zwischenzeitlich nicht erreichbar war, teilte der Anbieter von Trekking- und Naturreisen mit, „bis zum gegenwärtigen Zwischenfall“ habe man „keinerlei Hinweise darauf, dass die Sicherheit der Gäste in der Region in Frage stehen könnte“.

Die Reise sei seit 2006 im Programm. Jetzt seien alle Reisen abgesagt worden. Diamir wirbt damit, „sorgfältig ausgewählte Spezialisten“ zu haben, die den „reibungslosen Ablauf“ auch von Individualprogrammen garantierten. Der Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Torsten Schäfer, sagte: „Über Diamir wissen wir wenig, er ist nicht Mitglied im DRV.“ Verbandsmitglieder wie Studiosus oder Ikarus hielten sich „penibel“ an die AA-Hinweise.

Thomas Meyer-Ensass, Geschäftsführer von Africon Tours, der die Danakil-Wüste seit acht Jahren anbietet, sagte dem Tagesspiegel, „bis vorgestern wäre ich natürlich gefahren“. Der AA-Hinweis sei keine ausdrückliche Warnung, obgleich klar sei, dass die Gegend nicht ohne Risiko sei. Er arbeite deshalb eng mit einem lokalen Partner zusammen. Seit einer Entführung vor einigen Jahren sei Polizeischutz dort obligatorisch und müsse vom Veranstalter bezahlt werden. Je zwei Polizisten „mit alten Karabinern“ begleiteten eine Gruppe. Obwohl es sich um einen „sehr spezielle“ Gegend handele, sei die Nachfrage stark gestiegen. Er gehe davon aus, dass der Überfall bei Dalol erfolgt sei.

Der Ort liege wenige Kilometer von der Grenze entfernt und sei einfacher zu erreichen als der Vulkankrater, zu dem man mühsam aufsteigen müsse. In Dalol seien die Menschen allerdings „völlig ablehnend gegenüber Touristen“. Warum er trotzdem hinfuhr? „Wenn ich denen nichts tue, passiert nichts.“ Allerdings hat er den Eindruck, dass es in entlegenen Regionen eine Tendenz gebe, Touristen zu entführen, weil das Geld bringe.

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