Äußerungen zur Steuermoral : Griechen fühlen sich beleidigt von IWF-Chefin Lagarde

In Griechenland gibt es massive Kritik an der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Die hatte die Griechen zur Steuerehrlichkeit aufgefordert - und gesagt, Kinder in manchen Regionen Afrikas bräuchten "mehr Hilfe als die Menschen in Athen".

Christine Lagarde, Chefin des IWF, hat sich in Griechenland mit Äußerungen zur Krise unbeliebt gemacht. Foto: AFP
Christine Lagarde, Chefin des IWF, hat sich in Griechenland mit Äußerungen zur Krise unbeliebt gemacht.Foto: AFP

Nach Äußerungen zur Steuermoral der griechischen Bevölkerung sieht sich die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, massiver Kritik aus Athen ausgesetzt. Lagarde habe „die Griechen beleidigt“, sagte der Vorsitzende der Sozialisten, Evangelos Venizelos. Auch im Internetnetzwerk Facebook lösten die Einlassungen Lagardes eine Welle der Empörung aus.

Lagarde forderte die Bürger im hoch verschuldeten Griechenland in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ zur Steuerehrlichkeit auf, um das Land aus der Krise zu führen. Kinder in manchen Regionen Afrikas bräuchten „mehr Hilfe als die Menschen in Athen“, sagte sie. Später erklärte sie den Griechen zwar bei Facebook ihr Mitgefühl angesichts der Sparmaßnahmen. Zugleich verwies sie aber auf die Notwendigkeit einer gerechten Lastenverteilung in der Krise.

„Ich fordere sie auf, zu überprüfen und zu überdenken, was sie sagen wollte“, sagte Venizelos über Lagarde. Der Chef der Linksradikalen, Alexis Tsipras, erklärte, seine Landsleute aus der Mittelschicht zahlten bereits „unerträgliche“ Steuern. Die bisherige Regierung habe aber „das große Geld“ verschont. „Das Letzte, was wir brauchen, ist ihr Mitgefühl“, ließ er Lagarde wissen.

Die komplizierte Regierungsbildung in Athen in Bildern

Turbulenzen bei Regierungsbildung in Athen
Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias befürchtet, dass das Land nach den gescheiterten Bemühungen um eine stabile Regierung ins Chaos stürzen könnte. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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Bei Facebook waren auf der Seite Lagardes rund 10 000 Kommentare zu lesen.

„Sie sollten das den Angehörigen der 3000 Griechen sagen, die Selbstmord begangen haben, und den Millionen arbeitslosen Griechen“, schrieb ein Nutzer. „Wir glauben an die Aufrichtigkeit, an harte Arbeit und Leistung, ich verbitte es mir, dass wir mit Dieben verglichen werden“, ärgerte sich eine andere Nutzerin.

Griechenland befindet sich in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der EU und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet. Momentan kursieren verschiedene Szenarien, wie es mit dem Krisenstaat weitergehen könnte. (AFP)

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