AfD Niedersachsen : Der Putsch gegen Armin Paul Hampel fällt aus

Die AfD Niedersachsen kürt ihren umstrittenen Landesparteichef Armin Paul Hampel zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Seine parteiinternen Gegner kündigen eine gerichtliche Anfechtung der Wahl an.

Peter Mlodoch
Der Landesvorsitzende Armin Paul Hampel ist beim Landesparteitag der AfD Niedersachsen zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt worden.
Der Landesvorsitzende Armin Paul Hampel ist beim Landesparteitag der AfD Niedersachsen zum Spitzenkandidaten für die...Foto: dpa

Wahlurnen waren plötzlich verschwunden, auch 200 Bewerberlisten angeblich geklaut. Doch der Putsch fand nicht statt: Mit großer Mehrheit kürte die niedersächsische AfD den umstritten Parteichef Armin Paul Hampel zu ihrem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst. Der frühere Fernseh-Reporter der ARD erhielt bei der Listenaufstellung am Samstag in Hannover  346 von 407 abgegebenen Stimmen. Seine beiden eher unbekannten Gegenkandidaten waren chancenlos. Die meisten der prominenteren  Hampel-Gegner aus den aufmüpfigen Kreisverbänden wie Osterholz-Verden, Stade oder Ostfriesland waren von vornherein frustriert zu Hause geblieben.

Diese werfen in einem bizarren Machtkampf Hampel seit Monaten ein „diktatorisches Verhalten“ und rein finanzielle Motive für dessen  Bundestagskandidatur vor. Jetzt kündigten einige von ihnen umgehend eine gerichtliche Anfechtung der Listenwahl an. „Das kommt auf jeden Fall  etwas nach“, sagte ein Kreisvorsitzender dem Tagespiegel. Viele Mitglieder hätten nach dem Hickhack um den Parteitag, den das Landesschiedsgericht der AfD am Mittwoch zunächst verboten, das Bundeschiedsgericht am Freitag aber wieder erlaubt hatte, nicht mehr rechtzeitig nach Hannover kommen können. Außerdem seien potenzielle Bewerber durch den Parteichef in strafrechtlich relevanter Weise verunglimpft und so von ihrer Kandidatur abgehalten worden, meinte ein Kritiker mit Blick auf den Stader Vize-Chef Lars Seemann. Hampel hatte dem Polizisten in einer Rundmail  vorgeworfen, die AfD im staatlichen Auftrag von innen heraus zersetzen zu wollen.

Der Parteichef wittert eine Verschwörung

Eine Verschwörung witterte der Parteichef  prompt auch in dem von zahlreichen Polizisten und privaten AfD-Ordnern gesicherten Bürgerhaus Hannover-Misburg. „Schon wieder haben Kräfte versucht, unsere Partei von innen zu stören und zu zerstören“, wütete der 59-Jährige nach dem von ihm vermuteten Diebstahl der Wahlurnen. Diese wurden zunächst durch eilig hergerichtete Kopierpapierkartons ersetzt; später aber fanden sie sich unversehrt unter einer Treppe wieder. 

Ansonsten lief für die Führungsspitze beim Heimspiel in Hannover fast alles glatt. Die Listenplätze  zwei und drei gingen wie geplant an enge Hampel-Vertraute. Nur wenige Mitglieder wagten eine verhaltene Kritik am Gebaren ihres Chefs. Der bekam vielmehr die Rückdeckung von AfD-Bundesvize Alexander Gauland. „Es kann die Leute mitreißen; ich kann Ihnen nur zu diesem Vorsitzenden gratulieren.“ Mit überwältigender Mehrheit schmetterten die AfD-Mitglieder denn auch einen Antrag ab, die Versammlung angesichts der juristischen Querelen im Vorfeld abzubrechen. Gerhard Vierfuß aus  dem Kreisverband Oldenburg-Ammerland hatte dies bereits mit der Sorge vor möglichen Anfechtungen begründet. „Das ist totaler  Quatsch“,  giftete eine  Wolfsburgerin ihren Parteifreund daraufhin wütend an. „Sie sind ein Querulant.“

Unter Ausschluss der Medien hatte der 59-jährige Hampel in seiner Eröffnungsrede die Partei zur Geschlossenheit aufgerufen. Es  gehe jetzt darum, die besten Köpfe aus Niedersachsen nach Berlin zu schicken. In seiner – für die Journalisten dann wieder öffentlichen - Vorstellungsansprache sprach sich der Vorsitzende neben einer kritischen Überprüfung der alternativen Energien auch für eine Wiederbelebung der Magnetschwebebahn Transrapid aus.

 

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