Affäre um Bundespräsident : SPD bietet Merkel Hilfe bei Nachfolgersuche an

08.01.2012 22:00 Uhr
Wulff machte klar, dass er an seinem Amt festhalten will. Foto: dpa
Wulff machte klar, dass er an seinem Amt festhalten will. - Foto: dpa

Wulff zeigt sich überzeugt, die Kreditaffäre unbeschadet zu überstehen. SPD-Chef Gabriel bot Merkel unterdessen eine gemeinsame Suche nach einem Nachfolger für Wulff an, sollte dieser zurücktreten. Auch die Grünen wollen kooperieren.

Auf einem Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter am Freitagnachmittag äußerte sich Bundespräsident Christian Wulff einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge zuversichtlich, dass „dieses Stahlgewitter bald vorbei ist“. Er versicherte, er wolle bis 2015 einen guten Job machen. Den zweiten Rücktritt nach Horst Köhlers Abgang im Mai 2010 wolle er dem Amt ersparen. „In einem Jahr ist das alles vergessen.“ Wulff steht seit Wochen wegen eines umstrittenen Privatkredits über 500 000 Euro in der Kritik. Zusätzlich unter Druck geriet der Bundespräsident, weil er versucht hatte, einen kritischen Bericht der „Bild“-Zeitung über den Hauskredit zu unterbinden.

SPD-Chef Sigmar Gabriel bot Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterdessen eine gemeinsame Suche nach einem Nachfolger für Wulff an, sollte dieser zurücktreten. In dem Fall sei die SPD bereit, auf einen eigenen Kandidaten für das Amt zu verzichten und gemeinsam mit Union und FDP eine parteiübergreifende Lösung zu finden, sagte Gabriel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

In der Bundesversammlung, die das deutsche Staatsoberhaupt wählt, hätte Schwarz-Gelb nach jetziger Lage nur eine hauchdünne Mehrheit. Gabriel widersprach zudem seiner Generalsekretärin Andrea Nahles, die für den Fall des Wulff-Rücktritts Neuwahlen gefordert hatte.

Nach der SPD haben auch die Grünen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Zusammenarbeit im Fall eines Rücktritts von Bundespräsident Christian Wulff angeboten. Die Grünen seien natürlich bereit, sich gemeinsam mit der Union und der Regierung an der Suche nach einem geeigneten Kandidaten zu beteiligen, sagte die Bundesvorsitzende Claudia Roth am Sonntagabend im ARD-„Bericht aus Berlin“.

Rückendeckung erhielt Wulff am Sonntag von seinem Amtsvorgänger Horst Köhler. Dieser verlangte bei einer CDU- Parteiveranstaltung im nordrhein-westfälischen Meckenheim indirekt mehr Zurückhaltung in der Debatte. „Politiker haben einen schweren Job. Wir sollten deshalb auch ein bisschen Verständnis haben, wenn es manchmal knirscht“, sagte Köhler, ohne Wulff namentlich zu erwähnen. (Tsp/dapd)

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