Politik : Afghanische Passagiermaschine landet in London Standsted

Die Britische Polizei nahm inzwischen Verhandlungen mit den Entführern auf. Weitere fünf Passagiere wurden am Montagmittag freigelassen

Die entführte afghanische Passagiermaschine ist nach einer Odyssee mit Zwischenstopps in Kasachstan und Moskau mittlerweile auf dem britischen Flughafen London Standsted gelandet. Die britische Polizei nahm am Montag Verhandlungen mit den Luftpiraten auf.

In Stansted sagte der stellvertretende Polizeichef von Essex, John Broughton, seine Beamten wollten ein friedliches Ende der Entführung. Die Lage an Bord sei "ruhig". Die Verhandlungen würden voraussichtlich lange dauern. "Es ist nicht unsere Politik, ein einmal gelandetes Flugzeug wieder abfliegen zu lassen", sagte Broughton. Er teilte ferner mit, dass die britische Regierung in Kontakt mit den Behörden in Moskau und anderen "zuständigen Regierungen" steht.

Am Montagmittag ließen die Geiselnehmer fünf Passagiere frei. Zwei Männer, eine Frau und zwei Kinder konnten die Maschine verlassen. Über die Zahl und Identität der Entführer lagen weiter keine Angaben vor. Ein Sprecher sagte, an Bord der Boeing 727 befänden sich weiterhin 160 Menschen. Ob darin die Zahl der Entführer enthalten sei, könne er nicht sagen. Über die Nationalität der Geiseln wurde nichts bekannt. 14 Geiseln sind Besatzungsmitglieder.

Seit Anbruch der Morgendämmerung sprachen die Geiselnehmer mit den Behörden über die Versorgung mit Essen und Medikamenten. Ein nierenkranker Passagier benötigte nach Angaben der Polizei spezielle Betreuung. Zuvor baten die Luftpiraten um einen Generator für die Klimaanlage sowie Getränke. Beides wurde an Bord gebracht. Die Polizei gestattete den Luftpiraten auch, die Türen des Flugzeugs zu öffnen, um zu lüften. "Ich denke, den Menschen an Bord des Flugzeugs geht es in Anbetracht der schwierigen Umstände gut", sagte der stellvertretende Polizeichef der Grafschaft Essex, Charles Clark.

Die Boeing 727, die am Sonntag auf einem Inlandsflug entführt worden war, stand abgeschirmt von Sicherheitskräften am Rande des Londoner Flughafens Stansted. Sie war um 02.00 Uhr Ortszeit gelandet. Die Entführer hatten nach Zwischenlandungen in Taschkent, Kasachstan und Moskau 22 Geiseln freigelassen. Nach Angaben eines afghanischen Diplomaten verlangen die Entführer die Freilassung eines in der afghanischen Stadt Kandahar einsitzenden Häftlings. Afghanische Medien hatten zuvor spekuliert, die Luftpiraten wollten die Freilassung des Oppositionspolitikers Ismail Chan erpressen, der unter der Taliban-Führung seit 1997 in Kandahar inhaftiert ist.

Der Chef der in Afghanistan regierenden Taliban-Milizen, Mohammed Omar, hat jegliche Verhandlungen mit den Entführern ausgeschlossen. "Terrorismus wird von uns streng verurteilt, und wir werden weder mit den Luftpiraten verhandeln noch ihre Forderungen akzeptieren", erklärte Omar in Kabul. Er machte zugleich die afghanische Opposition um den von den Taliban verjagten früheren Präsidenten Burhanuddin Rabbani für die Geiselnahme verantwortlich.

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