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Afghanistan : 37 Tote bei Taliban-Angriff auf Flughafen von Kandahar

In der Provinzhauptstadt Kandahar im Süden Afghanistans haben die Taliban am Dienstag den Flughafen angegriffen. Die Kämpfe hielten am Mittwoch noch an.

Ein Mitglied der afghanischen Sicherheitskräfte sichert am Dienstag, den 8. Dezember 2015 das Gebiet um eine Polizeistation, die von Taliban angegriffen wurde. Gleichzeitig wurde offenbar der Flughafen von Kandahar von Taliban erobert.
Ein Mitglied der afghanischen Sicherheitskräfte sichert am Dienstag, den 8. Dezember 2015 das Gebiet um eine Polizeistation, die...Foto: dpa

Bei dem Angriff der radikalislamischen Taliban auf den Flughafen der afghanischen Stadt Kandahar sind mindestens 37 Menschen getötet worden. Wie das Verteidigungsministerium in Kabul am Mittwoch mitteilte, wurden außerdem 35 Menschen verletzt. Neun der Angreifer seien getötet worden, einer sei verletzt, und einer leiste den Sicherheitskräften noch Widerstand, hieß es aus dem Ministerium weiter.

Die Taliban hatten den Flughafen am Dienstag angegriffen und sich im Inneren des Geländes verschanzt. Die ganze Nacht hindurch lieferten sich afghanische Soldaten schwere Gefechte mit den Angreifern. Kandahar ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt im Süden des Landes.

Nach Angaben der Provinzregierung durchbrachen mehrere Kämpfer am Dienstag das erste Tor des Geländes und bezogen Stellung in einer Schule. Vor Ort waren Schüsse und Explosionen zu hören. Afghanische Soldaten lieferten sich heftige Gefechte mit den Angreifern.

Die Taliban bekannten sich in einer Erklärung zu dem Angriff. Mehrere "Märtyrer" seien "ausgerüstet mit schweren und leichten Waffen" in den Flughafenkomplex eingedrungen und hätten die "Invasionstruppen" attackiert, hieß es in der Erklärung. Vor Ort gebe es "heftige Kämpfe", die andauerten.

Wegen der verschlechterten Sicherheitslage in Afghanistan hatte die Nato erst vor wenigen Tagen beschlossen, im kommenden Jahr ihre aktuelle Truppenpräsenz von rund 12.000 Soldaten praktisch unverändert beizubehalten. Die Bundeswehr soll 2016 ihren Einsatz in Afghanistan sogar leicht ausweiten.

Die prekäre Sicherheitslage in Afghanistan stand am Dienstag auch auf der Agenda von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die in der Region unterwegs war. In der afghanischen Hauptstadt Kabul sprach sie mit Vertretern der Regierung und sicherte ihnen erneut ein dauerhaftes Engagement der Bundeswehr in dem Land zu, aber auch wirtschaftliche Hilfen.

Ungeklärtes Schicksal des Taliban-Chefs

Im pakistanischen Islamabad sagte von der Leyen danach, die gesamte Region könne nur zur Ruhe kommen, "wenn alle gemeinsam konstruktiv den Versöhnungsprozess und den Kampf gegen den Terror bestreiten werden". Bessere Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan gelten als Schlüssel zu einem Aussöhnungsprozess zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Afghanistan beschuldigt das Nachbarland seit langem, die Taliban als Mittel im Kampf um Einfluss in Afghanistan einzusetzen.

Die Taliban hatten Ende September das nordafghanische Kundus in einer Blitzoffensive erobert. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst nach mehreren Tagen mit internationaler Unterstützung zurückerobern.

Der Angriff vom Dienstag ereignete sich nur wenige Tage, nachdem das ungeklärte Schicksal von Taliban-Chef Mullah Achtar Mansur für Verwirrung gesorgt hatte. Von Geheimdienstbeamten und aus Kreisen der Aufständischen hatte es Mitte vergangener Woche geheißen, Mansur sei bei einer Schießerei schwer verletzt worden. Am Freitag dann erklärte ein afghanischer Regierungssprecher, Mansur sei tot. Die Taliban-Führung wies dies zurück und veröffentlichte eine angebliche Audiobotschaft von Mansur, deren Echtheit zunächst aber nicht bestätigt werden konnte.

Die Kontroverse um Mansur wirft ein Schlaglicht auf die tiefen Gräben zwischen den rivalisierenden Fraktionen der Islamistenbewegung. Der Machtkampf behindert auch die Friedensgespräche der Aufständischen mit den Regierungen in Pakistan und Afghanistan.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Afghanistan besucht hatte, befand sich zu keinem Zeitpunkt in Kandahar. (AFP)

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