Politik : Afghanistan: 600 Millionen Dollar für das Überleben im Trümmerfeld

Ulrike Scheffer

Die Not in Afghanistan ist groß, die Bereitschaft zu helfen auch. Am Mittwoch und Donnerstag beriet in Berlin die so genannte Afghanistan Support Group, ein regelmäßig tagendes Gremium, in dem die 15 wichtigsten Geberländer Afghanistans, die Europäische Kommission, Organistationen der Vereinten Nationen und andere Hilfsorgorganisationen vertreten sind. Sie trafen sich, um den nun anlaufenden Wiederaufbau Afghanistans zu koordinieren. "Das Schwerste liegt noch vor uns", sagte der Sondergesandte der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi.

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Schätzungen zufolge werden für den Wiederaufbau Afghanistans in den kommenden sechs Jahren rund sechs Milliarden Dollar benötigt, 600 Millionen Dollar allein für diesen Winter. Rund 1,3 Milliarden Dollar wurden weltweit bisher für die Hilfe zugesagt, Deutschland steuert 260 Millionen Mark bei.

Nach mehr als 20 Jahren Krieg, der menschenverachtenden Talibanherrschaft, mehreren Dürrejahren und den noch andauernden Bombardierungen durch die USA gleicht Afghanistan einem Trümmerfeld. Die Landwirtschaft ist zusammengebrochen, viele Städte und weite Teile der Infrastruktur zerstört. Den Krankenhäusern fehlen Personal und Ausrüstung, an einen geregelten Schulunterricht nicht zu denken. Eine Millionen Binnenflüchtlinge müssen versorgt werden. Kurzfristig werden im Land täglich mehr als 2000 Tonnen Lebensmittel, Decken, Zelte und warme Kleidung für den Winter benötigt, wie UN-Vertreter in Berlin vorrechneten. Schon jetzt kehren zudem Flüchtlinge aus den Nachbarländern zurück, Tausende in Iran und Pakistan warten auf einen Rücktransport. Auch sie werden ohne fremde Hilfe nicht überleben. Die Arbeit der Hilfsorganisationen aber wird noch durch den Krieg und die ungeklärten Machtverhältnisse in einzelnen Landesteilen behindert. Helfer berichten von Überfällen, Plünderungen und Banditen, die Wegezölle erheben.

Bundesaußenminister Fischer warnte in Berlin vor einer Zersplitterung der Hilfe; der norwegische Staatssekretär Vidar Helgesen sagte, es wäre falsch, nun zu schnell zu massiv Hilfe zu leiste. Zuächst müsse geklärt werden, was wirklich gebraucht werde. Das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will vor allem Saatgut nach Afghanistan liefern, Schulen einrichten und zunächst ganz allgemein Frauen unterstützen. Ahmad Jan Naeem von der afghanischen Gesundheitsorganisation Ibn Sina unterstrich, dass einheimische Gruppen am besten für den Wiederaufbau gerüstet seien: "Wir bleiben schließlich auf Dauer im Land und haben direkten Zugang zu den Menschen."

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