Politik : Afghanistan: Abtrünniger auf der Suche nach Verbündeten

Elke Windisch

Moskau. Als reine Lüge bezeichnete der Sprecher von Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar, Mohammad Tayab Ahal, gegenüber der taliban-freundlichen AIP-Nachrichtenagentur Meldungen des arabischen TV-Senders Al Dschasira über den angeblichen Frontwechsel von Taliban-Außenminister Mullah Wakkil Ahmad Mutawakkil. Der in Qatar ansässige TV-Kanal berichtete, Mutawakkil sei zu einer geheimen Mission in der VAE eingetroffen. Es wurde vermutet, der Chefdiplomat plane den Absprung.

Zum Thema Online Spezial: Kampf gegen Terror
Schwerpunkt: US-Gegenschlag, Nato und Bündnisfall
Schwerpunkt: Osama Bin Laden
Schwerpunkt: Afghanistan
Schwerpunkt: Islam & Fundamentalismus
Schwerpunkt: Innere Sicherheit
Chronologie: Terroranschläge in den USA und die Folgen
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags In der Tat gilt Mutawakkil in Expertenkreisen als inoffizieller Sprecher des gemäßigten Taliban-Flügels, der schon des längerem im Clinch mit den Hardlinern um den Führer der Extremisten, Omar, liegt.

Mutawakkil gehört zu den wenigen Taliban-Größen, die ständige Kontakte zum Ausland unterhalten. Er versuchte auch mäßigend auf jene Richter einzuwirken, die den acht verhafteten Helfern von "Shelter Now" Missionstätigkeit vorwerfen. Unmittelbar vor den Terroranschlägen in New York und Washington am 11. September hatte er versucht, den Austausch der Geiseln gegen in den USA einsitzende radikale Scheichs zu erwirken, die 1993 einen ersten Anschlag auf das World Trade Center verübt hatten.

Im Frühjahr hatte er zudem mit Gulbuddin Hekmatyar, dem Chef der 1996 von den Taliban gestürzten legitimen afghanischen Regierung, über die Bildung einer Übergangsregierung verhandelt: Bis zu freien Wahlen unter internationaler Aufsicht sollte Hekmatyar einem Kabinett vorstehen, an dem alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen Afghanistans beteiligt würden - und das im Gegenzug dafür Talibanführer Omar als Interimspräsidenten anerkennt.

Mutawakkil reiste in der Tat nicht in die Emirate, sondern kreuzte in Islamabad auf, um mit Pakistans Staatschef Muscharraf über eine Neuauflage des Projektes zu verhandeln. Mutawakkil bemüht sich seit Beginn des Luftkrieges intensiv um das Zustandekommen einer Arbeitsgruppe, die die Grundlagen für eine repräsentative provisorische Regierung Afghanistans schaffen soll. Unklar ist, ob Talibanführer Omar die Mission genehmigt hat oder Mutawakkil auf eigene Faust handelt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben