Afghanistan : Al Dschasira zeigt Geisel-Video

Nach der Erklärung eines Taliban-Sprechers, eine zweite südkoreanische Geisel getötet zu haben, sucht die afghanische Polizei fieberhaft nach der angeblichen Leiche. Al Dschasira zeigte unterdessen Bilder der Gefangenen.

DubaiDer katarische Fernsehsender Al Dschasira hat Bilder ausgestrahlt, auf denen angeblich die von Taliban-Rebellen in Afghanistan entführten südkoreanischen Geiseln zu sehen sind. Auf dem ohne Ton ausgestrahlten Video sind auf dem Boden sitzende Frauen mit asiatischen Gesichtszügen zu erkennen, deren Köpfe mit Schals bedeckt sind. Die Frauen wirken geschwächt. Hinter ihnen stehen einige Männer, deren Gesichter nicht zu erkennen sind. Das Video habe Al Dschasira exklusiv aus Afghanistan bekommen, sagte ein Sprecher des Senders der AFP. Kurz vor der Ausstrahlung hatten die Taliban nach eigenen Angaben eine zweite Geisel getötet. Offiziell bestätigt wurde dies bislang nicht.

Es ist das erste Mal seit der Entführung der 23 Südkoreaner am 19. Juli, dass angebliche Bilder der Geiseln gezeigt werden. Am vergangenen Donnerstag hatte eine weibliche Geisel, die ihren Namen mit Yo Cyun Ju angab, in einem Telefoninterview mit dem US-Fernsehsender CBS telefonisch um Hilfe gefleht. Die Taliban forderten im Gegenzug für die Freilassung ihrer Geiseln die Freilassung von acht ihrer Kämpfer aus afghanischen Gefängnissen. Zwei Ultimaten der Taliban verstrichen am Montag ohne Verhandlungserfolg. In der vergangenen Woche hatten die Taliban bereits einen 42-jährigen Pastor aus der in der Provinz Ghasni entführten Gruppe erschossen.

Angebliche Leiche konnte bislang nicht gefunden werden

Nach Angaben von Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi wurde die Leiche des zweiten Getöteten in der Region Karabagh rund 140 Kilometer südlich von Kabul zurückgelassen. Über das Geschlecht des angeblich Getöteten machte der Sprecher keine Angaben, seine Formulierung auf Paschtu deutete jedoch darauf hin, dass es sich um einen Mann handelte. Nach Angaben des Polizeichefs von Ghasni, Alischah Ahmadsai, suchte die Polizei in dem Gebiet trotz der Dunkelheit nach der Leiche, die aber bislang nicht gefunden wurde.

Die afghanische Regierung spielt in der Geiselkrise unterdessen auf Zeit, doch ob sich die Taliban darauf einlassen, scheint inzwischen mehr als fraglich. Mit der Verkündung der angeblichen Mordes wächst auch der Druck auf die Regierung in Kabul. Die
Forderung der Taliban: Acht Gesinnungsgenossen sollen aus der Haft entlassen werden. Genau das kann sich Präsident Hamid Karsai aber kaum erlauben, will er nicht sein eigenes Wort brechen.

Karsai in der Zwickmühle

Karsai ist in einer Zwickmühle gefangen. Die südkoreanische Regierung ist ein wichtiger Geldgeber und dürfte ein Massaker an
ihren Landsleuten um jeden Preis vermeiden wollen. Sie schickte für die Geiselkrise eigens einen Sondergesandten an den Hindukusch. Karsai selber aber hatte im März öffentlich ausgeschlossen, jemals wieder inhaftierte Taliban-Kämpfer gegen ausländische Geiseln auszutauschen. Damals war der italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo von den radikal-islamischen Taliban freigelassen worden, im Gegenzug setzte die afghanische Regierung höchst widerwillig fünf hochrangige inhaftierte Rebellen auf freien Fuß.

   Der Handel war unter Druck des italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi zu Stande gekommen, der so oft bei Karsai anrief, bis dieser dem Geschäft schließlich zustimmte. "In Zukunft wird diese Handlung niemals wiederholt werden", sagte Karsai - für niemanden und für kein Land, das dies im Tausch gegen seine Staatsbürger einfordern sollte. Der Präsident bemühte sich damit, den internationalen Sturm der Entrüstung über den Deal abzuschwächen. Kritiker hielten den Basar der Entführungen damals für eröffnet. Sie sollten Recht behalten: Die Taliban selber werteten das Tauschgeschäft öffentlich als Ermutigung, künftig noch mehr ausländische Geiseln zu nehmen.

Hilferufe erschweren die Lage

 Die Geiselhaft ihrer Landsleute bringt auch die Regierung in Seoul in ein diplomatisches Dilemma. Sie steht auf der einen Seite unter
großem Druck, die Geiseln unversehrt wieder nach Hause zu bringen. Auf der anderen Seite sind ihre Möglichkeiten in den Bemühungen um das Leben der Koreaner begrenzt. Die Lage wird durch die Hilferufe einzelner Geiseln, die die Taliban gezielt in koreanischen und Medien anderer Länder zur Sprache kommen lassen, nicht einfacher. (mit AFP, dpa)

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