Afghanistan : Anfang vom Ende

Vier Jahre nach Beginn ihrer Mission: Die Niederlande beginnen mit Afghanistan-Abzug. Doch nicht nur Militärs halten den Abzug für voreilig und verfrüht.

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Berlin - „Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit“, lautet ein arabisches Sprichwort, das von den Aufständischen am Hindukusch gern zitiert wird und den Truppenstellern in Afghanistan sagen soll: Ihr mögt kürzer oder länger bleiben, irgendwann werdet ihr gehen – und wir immer noch hier sein. An diesem Sonntag gehen die Niederländer. Genau vier Jahre nach Beginn ihrer Mission. Die gilt als vergleichsweise erfolgreich. Als „Maßstab für andere“ hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sie gelobt, US-Präsident Barack Obama nannte den Einsatz „einen der herausragendsten“. Tatsächlich halten nicht nur Militärs, sondern auch zivile Helfer vor Ort den Abzug für voreilig und verfrüht. Doch zu Hause ist das Engagement nicht weniger umstritten und unpopulär als anderswo: Im Frühjahr stürzte die niederländische Regierung über die Frage einer erneuten Mandatsverlängerung, weil die Sozialdemokraten auf dem Ende der Mission bestanden.

Seit dem Beginn ihres Einsatzes mit dem Schwerpunkt Urusgan 2006 habe die niederländische Armee dort „spürbare Ergebnisse erreicht, auf die die Niederländer stolz sein können“, sagte der Chefkommandeur der niederländischen Armee, General Peter van Uhm. Für die Bevölkerung in Urusgan seien „relativ sichere Lebensbedingungen und Fortschritte bei gesundheitlicher Versorgung, Bildung und Handel“ erreicht worden. Das ist tatsächlich weithin unbestritten.

Dabei war die Ausgangslage nicht leicht. Die radikalislamischen Taliban sind in der südlichen Provinz sehr stark, die Opiumproduktion ist weit verbreitet. Die Niederländer setzten auf eine „3-D“-Strategie: „defence, development, diplomacy“ – Verteidigung, Entwicklung und Diplomatie. Sie bildeten nicht nur 3000 afghanische Soldaten aus, sondern verteilten auch rund eine Million Obstbäume, um den örtlichen Bauern eine Alternative zum Opiumanbau zu geben und beteiligten sich am Straßenbau. Nach ihren Angaben gehen in Urusgan mittlerweile 50 000 Kinder zur Schule und damit vier Mal mehr als 2002. Außerdem halten sie sich zugute, dass seit Beginn ihres Einsatzes die Zahl der in Urusgan aktiven niederländischen Hilfsorganisationen von sechs auf 50 gestiegen sei.

Der Krieg in Afghanistan hat den niederländischen Steuerzahler 1,4 Milliarden Euro gekostet und 24 niederländische Soldaten verloren ihr Leben seit 2006. Daran entzündete sich der Widerstand. 2007 beschloss die Regierung in Den Haag, im August 2010 mit dem Abzug der rund 1950 niederländischen Soldaten zu beginnen, die nun durch Soldaten aus den USA, Australien, Singapur und der Slowakei ersetzt werden.

Die Taliban feiern den Abzug auf ihre Weise: „Wir möchten den Bürgern und der Regierung der Niederlande von ganzem Herzen dazu gratulieren, dass sie den Mut hatten, diese unabhängige Entscheidung zu fällen“, sagte einer ihrer Sprecher. Michael Schmidt (mit AFP)

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