Afghanistan : Angehörige von Rudolf B. kritisieren Regierung

Die Familie des in Afghanistan entführten deutschen Ingenieurs Rudolf B. kritisiert die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt. Die Bitte um ein persönliches Gespräch sei von Außenminister Steinmeier ignoriert worden.

Ismaning/Mainz "Obwohl wir von Anfang an wussten, dass die Entführer auch eine Lösegeldforderung gestellt haben, wissen wir nicht, ob die Regierung eine Zahlung in Betracht zieht", sagte der Sohn von Rudolf B. dem Radiosender Antenne Bayern: Vermutlich wolle man in Berlin Härte zeigen und weiteren Entführungen in Afghanistan vorbeugen.

Die Angehörigen seien sich sicher, dass es sich bei den Entführern nicht um Taliban, sondern um eine Erpresserbande ohne religiösen Hintergrund handle, sagte er und bat Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) um Hilfe. Die Familie erhalte zwar täglich einen Anruf des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden, doch bekomme sie keine genauen Informationen.

Die geschiedene Frau des Entführten sagte dem Sender, auch nach fünf Wochen sei kein Ende des Dramas abzusehen. Die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt in Berlin sei schlecht. Sie habe an Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), an Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschrieben. "Bisher haben wir nur eine Rückantwort von Herrn Steinmeier erhalten, indem er lediglich sein Bedauern ausdrückt. Unsere Bitte um ein persönliches Gespräch wurde ignoriert", sagte sie.

Neues Geisel-Video

Rudolf B. war Mitte Juli entführt worden. Am Mittwoch tauchte ein neues Video der Entführer auf. Darin erklärt der 62-Jährige nach Angaben des Fernsehsenders RTL auf Deutsch und Englisch, er werde in einer Höhe von 3000 Metern in den afghanischen Bergen festgehalten. Auch sei sein gesundheitlicher Zustand schlecht und seine Medikamente würden knapp. Der ZDF-Korrespondent in Kabul berichtete am Donnerstagabend, Rudolf B. sei nicht mehr in der Hand seiner eigentlichen Entführer, sondern an eine andere Gruppe übergeben worden. (mit ddp)

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