Politik : Afghanistan – Angst vor zweitem Irak

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Berlin/Kabul - Die Sicherheitslage in Afghanistan ähnelt immer mehr der Situation im Irak. Während einen Tag nach den schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 in der Hauptstadt Kabul gespannte Ruhe herrschte, sind in Nordafghanistan drei afghanische Mitarbeiterinnen einer internationalen Hilfsorganisation und ihr Fahrer getötet worden. Vier mutmaßliche radikal-islamische Rebellen hätten sie in der Provinz Dschawsdschan in ihrem Fahrzeug erschossen, hieß es aus Sicherheitskreisen in Kabul. Es handle sich um den ersten direkten Angriff auf eine Hilfsorganisation in dieser Region.

Der Tatort liegt etwa 100 Kilometer nordwestlich von Masar-i-Scharif. Die Bundeswehr verlegt derzeit den Schwerpunkt ihres Einsatzes in Nordafghanistan nach Masar-i-Scharif, die Region galt bislang als relativ ruhig. Kurz vor dem Bekanntwerden des Attentats sagte der deutsche General Markus Kneip im Deutschlandfunk, während sich die Sicherheitslage im Süden und Osten des Landes verschlechtert habe, sei der Norden „ein anderes Gebiet“. Er räumte allerdings ein, dass „jeder kleine Funke irgendwo“ zu Missverständnissen und „natürlich auch zu einem Brand“ führen könne. Kneip übernimmt am Donnerstag das Kommando über die Internationale Schutztruppe (Isaf) in Nordafghanistan.

Auch deutsche Sicherheitsexperten äußern sich zunehmend pessimistisch über die Sicherheitslage in Afghanistan. Im Süden und Osten zeichne sich eine Verfestigung der Taliban-Strukturen ab, warnt ein hochrangiger Fachmann. Zudem verschöben sich durch das immer härtere Vorgehen der US- und britischen Truppen gegen den Drogenanbau dessen Schwerpunkte in genau die Zonen, in denen die Bundeswehr stationiert ist.

Aus Sicht des Bundeswehrverbandes muss der Afghanistan-Einsatz der westlichen Staatengemeinschaft nach den schweren Unruhen vom Montag neu bewertet werden. „Wir haben uns getäuscht in der Resonanz unserer Bemühungen“, sagte Verbandschef Bernhard Gertz der „Mitteldeutschen Zeitung“. fan/dpa

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