Afghanistan : Anschlag auf Parlamentarier - Opferzahl weit gestiegen

Bei einem verheerenden Selbstmordanschlag auf eine Gruppe afghanischer Parlamentarier sind in der Provinz Baghlan im Norden des Landes mindestens 75 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Die Abgeordneten wollten sich ein Bild vom wirtschaftlichen Fortschritt in der Provinz machen.

KabulDie Zahl der Opfer des bislang schwersten Selbstmordanschlags in Afghanistan ist offiziellen Angaben zufolge auf 75 gestiegen. Unter den Toten seien 59 Kinder im Alter von acht bis 18 Jahren und fünf Lehrer, teilte das Bildungsministerium am Freitag mit. Sechs Abgeordnete und fünf Leibwächter kamen bei dem Attentat am Dienstag in der Provinz Baghlan ebenfalls ums Leben. Den Angaben zufolge wurden 81 weitere Menschen verletzt.

Die getöteten Kinder waren Teil der Menge, die eine Parlamentsdelegation begrüßte, die eine mit deutschen Mitteln geförderte Zuckerfabrik nahe der Ortschaft Pul-i-Chumri, etwa auf halber Strecke zwischen Kabul und dem Bundeswehrlager in Masar-i-Scharif, besichtigen wollte.

Neuerliches Verbot für die Versammlung von Kindern

Nach dem Selbstmordattentat erneuerte Bildungminister Hanif Atmar ein Verbot für die Versammlung von Kindern zur Begrüßung offizieller Besucher. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Die islamistischen Taliban, die mit Abstand die meisten Anschläge in Afghanistan verüben, wiesen jede Verantwortung von sich.

Ein Sprecher von Präsident Hamid Karsai sagte, unter den Toten seien sechs Abgeordnete. Karsai verurteilte den Anschlag als "Terrorakt" und machte Feinde Afghanistans dafür verantwortlich. Das Innenministerium bestätigte, dass es sich um einen Selbstmordattentäter handelte.

Aus dem Parlament hieß es, der Sprecher der oppositionellen Vereinten Front, der prominente Abgeordnete Mustafa Kazimi, sei ums Leben gekommen. Unter den Opfern seien auch Schulkinder, sagte Vize-Handelsminister Ziauddin Zia, der der Delegation angehörte. Die Parlamentarier, die die Fabrik besuchten, sind Mitglieder des von Kazimi geleiteten Handelsausschusses.

Baghlan gehört zum Regionalkommando Nord der Internationalen Schutztruppe Isaf. Deutschland führt dort das Regionalkommando. In Baghlan betreibt Ungarn ein militärisch-ziviles Wiederaufbauteam der Isaf. (mit dpa)

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