Afghanistan : Anwalt: Einigung über Hilfe für Opfer des Luftangriffs

Die Hinterbliebenen des Luftangriffs auf einen Tanklaster nahe Kundus können offenbar mit rascher Hilfe rechnen.

Kundus/Berlin - „Wir sind einer Einigung sehr nahe“, sagte der Bremer Rechtsanwalt Karim Popal am Montag dem Tagesspiegel. Er verhandelt zurzeit in Afghanistan mit Vertretern des Verteidigungsministeriums über Hilfsprojekte für die Familien der Getöteten und die Verletzten. Für die Entschädigung ist nach Popals Angaben eine Summe in Höhe von mehreren Millionen Euro nötig. Das Ministerium in Berlin wollte sich mit Hinweis auf die vereinbarte Vertraulichkeit nicht zum Stand der Verhandlungen äußern. Bei dem von einem Bundeswehr-Oberst angeforderten Luftschlag auf zwei von Taliban entführte Tanklastwagen waren am 4. September bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden.

„Wir haben uns geeinigt, dass es als Zeichen des guten Willens eine Soforthilfe für den Winter geben wird“, sagte Popal. Innerhalb von einer Woche sollen Lebensmittel, Decken, Holz und Kohle an die 136 000 Einwohner des Bezirks Chardarah geliefert werden. In dem Bezirk liegen die 18 Dörfer, in denen die Hinterbliebenen des Luftangriffs wohnen. Die Menschen seien wegen des Winters in großer Not, sagte Popal. Zudem sind mehrere langfristige Projekte geplant. Für die nach seinen Angaben 163 Waisen sollen Bildungs- und Betreuungsprojekte eingerichtet werden.

Der Luftangriff hatte weltweit Kritik ausgelöst und den einst guten Ruf Deutschlands in Afghanistan beschädigt. Mit einer zügigen Entschädigung möchte die Bundesregierung Sympathien zurückgewinnen. Dies wäre nicht zuletzt auch für die in der Region tätigen Hilfsorganisationen wichtig, die sich zunehmend Angriffen ausgesetzt sehen.

Die Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ warnte am Montag in Berlin wie andere Organisationen zuvor vor einer engeren Zusammenarbeit ziviler Helfer mit dem Militär, wie sie der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) anstrebt. „Wenn Nichtregierungsorganisationen zu nah am Militär arbeiten, werden ihre Projekte zu Angriffszielen“, sagte Programmleiterin Christa Dammermann. Mit Blick auf die Ende Januar in London geplante internationale Afghanistankonferenz forderte sie eine langfristige Aufbauperspektive für das Land. „Das Geld muss dahin fließen, wo es dringend gebraucht wird, und das sind zumeist abgelegene ländliche Gebiete und nicht solche, in denen ausländische Truppen stationiert sind.“ clk/uls

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