Politik : Afghanistan: ARD und ZDF wollen Arbeit in Afghanistan reduzieren

Ein schwedischer Kameramann ist am Dienstag im Norden von Afghanistan getötet worden. Der 42-jährige Ulf Strömberg ist der achte Journalist, der seit Kriegsbeginn ums Leben kam. Vier Reporter wurden vergangene Woche auf der Straße nach Kabul erschossen. Zuvor waren zwei französische Rundfunk-Journalisten und ein Mitarbeiter des "Stern" getötet worden.

Zahlreiche Journalisten hatten sich in der Stadt Talokan einquartiert, um über die Belagerung von Kundus zu berichten. Rolf Porseryd, Reporter der schwedischen Zeitung "Aftonbladet", teilte sich mit Strömberg ein Zimmer. Er berichtet von zwei bewaffneten jungen Männern, die in das Haus eingebrochen seien und Kameras, Computer und Geld gestohlen hätten. Dann seien sie zu Strömbergs Zimmer gegangen. Als Strömberg die Tür öffnete, ertönte ein Schuss. "Ich bin getroffen", rief er und brach zusammen. Porseryd habe gemeinsam mit Kollegen versucht, ihn wiederzubeleben, und ihn in ein Krankenhaus gebracht. Dort hätten die Ärzte den Journalisten für tot erklärt. Strömberg hinterlässt Frau und drei Kinder.

Nach den neuen tödlichen Angriffen auf Journalisten in Afghanistan erwägen die ARD und das ZDF eine Einschränkung der Berichterstattung aus dem Kriegsgebiet. "Wir werden vermutlich die Berichterstattung nicht mehr in dem Umfang machen wie bisher und können wahrscheinlich nur noch in Kabul sein", sagte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze am Dienstag beim 6. Mainzer Medien-Disput. Journalisten seien in Afghanistan nur "Geldbörsen auf Beinen"; sie seien "die leichtesten Opfer, um an Geld zu kommen".

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