Politik : Afghanistan: Aufbau im früheren Feindesland

Stefan Voss

Während US-Spezialeinheiten in Afghanistan mit ihrem Einsatz am Boden begonnen haben, kümmert sich Russland intensiv um seine politischen Kontakte im Land. Schwere Transportflugzeuge brachten in dieser Woche Baumaterialien für den Wiederaufbau der zerstörten russischen Botschaft nach Kabul. Ein Jahrzehnt nach dem schmachvollen Rückzug der Sowjetarmee will Moskau in Afghanistan seinen Fuß in der Tür halten. Es bleibt die Angst vor Drogen und islamistischem Terror.

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Russland wandele in Afghanistan "auf alten Pfaden", schrieb die Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda" am Dienstag. Nicht erst seit den Terroranschlägen am 11. September hat Moskau im Konflikt der Taliban gegen die Nordallianz seine Finger mit im Spiel. Über Jahre wurden unter der Hand russische Waffen und Munition an die Kommandeure der Nordallianz, ethnische Usbeken und Tadschiken, geliefert.

So war nicht nur die US-Luftwaffe am überraschend schnellen Sieg der Nordallianz über die Taliban beteiligt, sondern auch der russische Nachschub. Nach Medienberichten schickte Moskau zuletzt 100 Kampfpanzer, 36 Hubschrauber und knapp 150 Tonnen Munition in das Kriegsgebiet.

Russland lag und liegt viel daran, den religiösen Extremismus in Zentralasien in Schach zu halten. Denn Afghanistan grenzt an die zum Teil instabilen Republiken Turkmenien, Usbekistan und Tadschikistan, einst als empfindlicher "Unterleib" der Sowjetunion bezeichnet. Der Terrorist Osama bin Laden soll nach Berichten des Geheimdienstes zudem die Rebellen in der von Russland abtrünnigen Teilrepublik Tschetschenien unterstützt haben.

In Afghanistan ist Moskaus einstiger Feind längst zum Waffenbruder geworden. Präsident Burhanuddin Rabbani gehört der tadschikischen Minderheit an. "Alle Bevölkerungsgruppen müssen an der neuen Regierung beteiligt werden", forderte der russische Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn der Afghanistan-Gespräche bei Bonn.

Neben dem radikalen Islamismus dringt ein nicht weniger gefährlicher Feind von Afghanistan über Zentralasien nach Russland ein. Mehr als 2,2 Tonnen afghanischen Heroins wurden 2001 bereits an der tadschikischen Grenze beschlagnahmt, fast dreimal mehr als 2000.

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