Politik : Afghanistan: Bettelnde Kinder, verwüstete Felder

Amory Burchard,Barbara-Maria Vahl

Die Felder der Provinz Farah im Südwesten Afghanistans sind verwüstet. In die Bewässerungskanäle lassen die Dorfvorsteher nur gegen Gebühr Wasser. Die Kinder sollen es erbetteln. Sie gehen nicht in die Schule, sondern stehen an den staubigen Straßen und schaufeln Sand in die Schlaglöcher, wenn ein Fahrzeug auftaucht. Diese Szenen schildert Marco Strothmann, Mitarbeiter der Berliner Nothilfe-Organisation HCC, der jetzt in Farah war.

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Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Überall in Afghanistan finden die Entwicklungs-Organisationen, die allmählich ins Land zurückkehren, eine nahezu hoffnungslose Situation vor. Nach über 20 Jahren Bürgerkrieg sind die Existenzgrundlagen der Menschen zerstört, die Landwirtschaft litt zusätzlich unter der vierjährigen Dürre.

Die Kinder am Straßenrand hoffen, dass die Fahrer ihnen Geld aus dem Fenster werfen. HCC will die Kinder zurück in die Schulen holen. Sie sollen als Entwicklungs-Kerne für die regionale Infrastruktur wiederaufgebaut werden. Dort wollen die Helfer auch medizinische Versorgung und Speisungen für die oft unterernährten Kinder anbieten.

Von gravierenden Mangel- und Infektionskrankheiten berichtet auch Volker Lankow, der fünf Monate für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" in der nordöstlichen Provinz Badakhshan war. Viele der Kinder leiden an Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen, Erwachsene vor allem an Tuberkulose. Bislang gibt es für die 800 000 Einwohner der Region nur ein Krankenhaus in der Hauptstadt Faizabad und zwei Krankenstationen außerhalb. "Ärzte ohne Grenzen" erhält den Betrieb unter schwierigen Bedingungen aufrecht. Das einheimische Personal bekommt von der Regierung kein Gehalt. Von fünf Chirurgen sind vier seit dem Fall der Taliban in andere Provinzen oder nach Kabul gegangen, wo sie sich Zukunftschancen ausrechnen.

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