Politik : Afghanistan: Bin-Laden-Video: Übersetzer sind sich über Inhalt einig

an/ar/Ch.B.

Die arabische Welt hat dem neuen Osama-Bin-Laden-Video nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Nachrichten aus Palästina hat es am Donnerstag und Freitag jedenfalls nicht von Platz eins verbannen können. Dies war nach Vermutungen jordanischer Beobachter möglicherweise eine Hoffnung der US-Regierung, die das Band ausgerechnet an dem Tag zu veröffentlichen, an dem Israel versucht, das Schicksal von Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu besiegeln. Der arabische Nachrichtensender "Al Dschasira" zeigte die vom Pentagon freigegebene Fassung mit Untertiteln am Donnerstagabend ohne Kommentar. Im ägyptischen Fernsehen wurden Auszüge gezeigt. Eine offizielle Stellungnahme gab nur Saudi-Arabien ab. Noch am Donnerstagabend verurteilte es die Erklärungen und Taten Bin Ladens.

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Dokumentation: Auszüge aus dem Bin-Laden-Video
Fotos: Krieg in Afghanistan, Osama Bin Laden
Die etwa einstündige Amateur-Aufzeichnung ist nach Ansicht der Bush-Administration am 9. November in einem Gästehaus in Kandahar entstanden. Offiziellen Angaben aus Washington zufolge wurde das Band dann Ende des Monats in Dschalalabad entdeckt und an die CIA zur Auswertung übergeben. Unklar ist bisher, ob die USA für das Video bezahlen mussten und warum es sich überhaupt in dem Haus befand. Wurde es auf der Flucht vergessen oder bewusst zurückgelassen? In Afghanistan selbst gehen viele davon aus, dass die Aufzeichnung gefunden werden sollte, womöglich als eine Art Botschaft an andere radikale Islamisten. Für diese These spräche, dass die Taliban ansonsten mit Filmen und Bildern nicht viel im Sinn haben. Die beiden früheren Osama-Bin-Laden-Videos waren unkommentiert von "Al Dschasira" ausgestrahlt worden. Der arabische Sender hatte sie über ihren Korrespondenten in der afghanischen Hauptstadt Kabul erhalten.

Inzwischen existieren vom jüngsten Video mehrere voneinander unabhängige Übersetzungen. Zusätzlich zur regierungsamtlichen Version hat Washington zwei Sprachfachleute gebeten, das Band ins Englische zu übertragen: George Michael vom "Diplomatischen Sprachen Service" und Kassem M. Wahba, Koordinator des Arabischen Sprachprogramms der School of Advanced International Studies an der renommierten Johns Hopkins Universität. Nach offiziellen Angaben gibt es keine nennenswerten inhaltlichen Unterschiede. Zum gleichen Ergebnis kommen auch zwei Experten, die im Auftrag der "New York Times" das Video übersetzt haben.

Dennoch gab es am Donnerstag auch Zweifel an der Authenzität. Familienangehörige von Osama bin Laden haben den mutmaßlichen Terroristen nicht eindeutig identifizieren können. "Ich habe das Video im Fernsehen gesehen, aber ich kann nicht sagen, ob er es ist oder ob es sich um jemanden handelt, der ihm sehr ähnlich sieht", sagte ein Familienmitglied in Latakia im Nordwesten Syriens der AFP. Die pakistanische radikalislamische Partei Jamiat-Ulema-e-Islam bezeichnete das Band als "Teil des Medienkriegs gegen moslemische Führer"

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