Afghanistan : Botschafterin rechnet mit Änderung des umstrittenen Ehegesetzes

Das umstrittene Ehegesetz scheint in Afghanistan vor dem Aus zu stehen, zumindest in der jetzigen Fassung. Laut Maliha Zulfacar, der afghanischen Botschafterin, werde das Gesetz geändert, da es im Gegensatz zur afghanischen Verfassung stehe.

BerlinDie afghanische Botschafterin in Deutschland, Maliha Zulfacar, geht davon aus, dass das umstrittene Ehegesetz für die schiitische Minderheit ihres Landes geändert wird. "Die Aspekte, die im Gegensatz zu unserer Verfassung stehen, zu Menschenrechten und Frauenrechten, werden nicht akzeptiert werden", sagte die Botschafterin dem Tagesspiegel. Das Gesetz sieht eine Pflicht für Frauen zum Beischlaf in der Ehe vor. Präsident Karsai hat es zur Prüfung an das Justizministerium weitergeleitet, nachdem in der westlichen Welt Protest laut geworden war.

Laut Zulfacar wollte Karsai indes ohnehin Teile des Gesetzes überprüfen lassen. Afghanistan könne es sich nicht erlauben, den Frauen ihre Grundrechte abzusprechen, so Zulfacar. "Eine Frau als materielles Objekt und nicht als vollständigen Menschen zu betrachten, ist gegen die Verfassung." Nachteile für Frauen durch mögliche Verhandlungen der Kabuler Regierung mit den Taliban fürchtet die Botschafterin nicht. "Wenn wir ein demokratischer, pluralistischer Staat sein wollen, müssen wir akzeptieren, dass die Taliban ein Teil der afghanischen Gesellschaft sind." Deshalb sei es gut, mit den Taliban zu reden und zu verhandeln. Kompromisse könnten aber nur mit jenen Taliban vereinbart werden, die die Verfassung akzeptierten und keinerlei Verbindung mit internationalen Terrororganisationen hätten. (Tsp)

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