Afghanistan : Bundeswehrsoldat in Kabul getötet

Radikalislamische Taliban haben in der afghanischen Hauptstadt Kabul am Montag zwei Selbstmordanschläge verübt. Dabei wurden ein Bundeswehrsoldat und drei afghanische Zivilisten getötet.

Kabul/Berlin - Zwei weitere Bundeswehrsoldaten wurden verletzt, einer von ihnen schwer, wie das Einsatzführungskommando in Potsdam mitteilte. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu den beiden Anschlägen, die innerhalb von 90 Minuten auf derselben Straße mit Autobomben verübt wurden.

Politiker von Union und SPD machten in Berlin deutlich, dass die Bundeswehr auch nach den neuen Anschlägen ihren Einsatz in Afghanistan fortsetzen wird. Der scheidende Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) verurteilte den Anschlag «auf das Schärfste». Das Kalkül der Terroristen, den Wiederaufbau- und Demokratisierungsprozess zu sabotieren, «darf und wird nicht aufgehen», erklärte Fischer. Sein designierter Nachfolger Frank- Walter Steinmeier (SPD) sagte dem Fernsehsender N24, an der grundsätzlichen Frage, ob diese Mission gerechtfertigt und politisch sinnvoll sei, werde sich nichts ändern.

Auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verurteilte die Angriffe und betonte, diese würden die von der Nato geführte Schutztruppe Isaf «nicht von ihrer Aufgabe abbringen, dem afghanischen Volk beim Aufbau von dauerhaftem Frieden, Sicherheit und Demokratie zu helfen».

Die Straße, auf der die Anschläge verübt wurden, führt von der Stadt zum Camp Warehouse, dem wichtigsten Lager der deutschen Soldaten in Kabul. Auf derselben Straße - der Jalalabad-Road - waren vor etwa eineinhalb Jahren vier deutsche Soldaten getötet und 29 weitere verletzt worden. Auch zu diesem Anschlag hatten sich die Ende 2001 gestürzten Taliban bekannt.

Die Luftwaffe wollte die verletzten Bundeswehrsoldaten mit ihrem Lazarett-Flugzeug nach Deutschland zurückholen. Die beiden Feldjäger werden voraussichtlich an diesem Dienstag in Köln eintreffen. Wann der Leichnam des getöteten Soldaten übergeführt wird, war noch unklar. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos waren die Soldaten mit einem Wagen vom Typ Wolf - der neuesten Variante mit spezieller Schutzausstattung - in Kabul auf Routinefahrt, als eine der Bomben explodierte.

Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte, außer den beiden Attentätern und dem deutschen Soldaten seien ein Kind und eine Frau ums Leben gekommen. Ein Zivilist sei im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Mehrere andere Menschen seien verletzt worden.

Die Autobombe, bei der der deutsche Soldat getötet wurde, detonierte vor der afghanischen Wahlbehörde. Die Wahlbehörde hatte am Samstag das Endergebnis der ersten afghanischen Parlamentswahl seit 36 Jahren verkündet, die die Taliban erfolglos zu torpedieren versucht hatten. (tso/dpa)

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