Afghanistan : Deutsche Geisel freigelassen, dann erneut verschleppt

Die deutsche Geisel in Afghanistan ist freigelassen und auf dem Rückweg nach Kabul erneut verschleppt worden. Vier Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die versucht hatten, den Deutschen abzuholen, wurden ebenfalls Opfer der Entführung.

Rudolf B
Die deutsche Geisel Rudolf B. wurde erst freigelassen und dann erneut verschleppt. -Foto: dpa

Kabul/GhasniEine Operation des afghanischen Geheimdienstes gegen die Entführer habe dazu geführt, dass die deutsche Geisel Rudolf B. und vier afghanische Geiseln kurz nach ihrer Freilassung am Vortag wieder verschleppt worden seien. Auch die zwei ausländischen und zwei einheimischen Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die die Geiseln nach Kabul bringen sollten, seien nun in der Gewalt der Taliban.

Ein hochrangiger Behördenvertreter in Wardak, der anonym bleiben wollte, sagte: "Alle fünf (Geiseln) wurden übergeben." Sie seien mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) bereits auf dem Weg Richtung Kabul gewesen. Anschließend hätten Geheimdienstkräfte aber vier Männer aus der Gruppe der Geiselnehmer festgenommen, die zuvor in einer Bank in Kabul das Lösegeld empfangen hätten. Als Reaktion darauf seien die Geiseln erneut verschleppt worden.

In Wardak war Mitte Juli der deutsche Bauingenieur Rudolf B. entführt worden. Ein gemeinsam mit Rudolf B. verschleppter Deutscher war kurz danach getötet worden. Die Freilassung von Rudolf B. war mehrere Mal in letzter Minute gescheitert. Mitte August war die 31-jährige Deutsche Christina M. in Kabul nach zwei Tagen aus der Hand krimineller Afghanen befreit worden.

Abweichende Version des IKRK

Laut einer Sprecherin des IKRK seien die Mitarbeiter dagegen ohne die deutsche Geisel auf dem Rückweg gewesen. "Sie waren dort im Einsatz, um die Freilassung der deutschen Geisel und der fünf Afghanen zu ermöglichen", sagte die Sprecherin weiter. Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem Auftrag der vier Helfer und ihrem Verschwinden gibt es laut IKRK bisher nicht. "Es gibt keine eindeutigen Informationen über die Gründe dafür, warum sie nicht zu unserer Delegation nach Kabul zurückgekehrt sind".

Auch der afghanische Handels- und Industrieminister Amin Farhang bestätigte, dass die entführten Mitarbeiter des IKRK bei der Freilassung von Rudolf B. hatten helfen wollen. Dessen Befreiung sei jetzt noch komplizierter geworden, sagte Farhang der "Mitteldeutschen Zeitung". Die afghanische Regierung verhandle selbst mit den Entführern. Man brauche aber Zeit und Geduld und keine unüberlegten Aktivitäten.

IKRK: "Das Problem wird derzeit gelöst"

Das IKRK in Kabul erklärte unterdessen, es sei optimistisch, dass seine vier Mitarbeiter bald wieder frei seien. "Das Problem wird derzeit gelöst (...) In sehr, sehr naher Zukunft können wir eine Lösung für das Problem finden", sagte der IKRK-Mitarbeiter in Kabul, Greg Muller. Das IKRK ist in Afghanistan mit rund 60 internationalen Mitarbeitern vertreten. Die Zahl der einheimischen Mitarbeiter und Helfer ist deutlich höher.

Der Gouverneur des Distrikts Jaghato in der Provinz Wardak, Naeem Khan, sagte heute, die ausländischen Mitarbeiter des IKRK und ihre afghanischen Kollegen seien auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Auf der Strecke seien sie entführt worden. "Wir sagten ihnen, sie sollten eine Eskorte mitnehmen, weil es eine sehr gefährliche Strecke ist." Die IKRK-Mitarbeiter hätten das unter Verweis darauf abgelehnt, dass sie nicht von bewaffneten Wachen begleitet werden dürfen.

Taliban weisen Verantwortung von sich

Die Taliban wiesen die Verantwortung für die Entführung von sich und machten kriminelle Banden für die Tat verantwortlich. Ein Taliban-Kommandeur in der Region, der anonym bleiben wollte, sagte, auch die radikalislamischen Aufständischen suchten nach den Entführern. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid sagte, die Rebellen respektierten die Arbeit des Roten Kreuzes.

Einen Tag nach Rudolf B. waren in Wardaks Nachbarprovinz Ghasni 23 Südkoreaner von den radikalislamischen Taliban verschleppt worden. Das IKRK hatte mit den Taliban über die Freilassung der Südkoreaner verhandelt. Zwei Männer aus der Gruppe waren zuvor bereits von den Aufständischen erschossen worden. Die letzten südkoreanischen Geiseln kamen Ende August frei. (mit AFP/dpa/ddp)

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