Afghanistan : Die Bundeswehr zieht sich zurück - die Taliban kommen wieder

Die gemeinsame Offensive von Bundeswehr und afghanischen Kräften ist kaum beendet, da kehren die Taliban bereits zurück. Die Operation scheint sie wenig beeindruckt zu haben.

Nach dem Ende der bislang größten deutsch-afghanische Gemeinschaftsaktion gegen die Taliban in der nordafghanischen Provinz Kundus sind die Aufständischen nach offiziellen Angaben wieder in das Unruhegebiet zurückgekehrt. Mit Beginn der Operation am 19. Juli waren zahlreiche radikal- islamische Extremisten in Nachbarprovinzen geflohen. Andere Taliban hätten ihre Waffen versteckt und seien in der Bevölkerung untergetaucht. "Nun sind die einen zurückgekehrt, und die anderen haben wieder zu den Waffen gegriffen", sagte der Verwaltungschef des betroffenen Distrikts Char Darah, Abdul Wahid Omar Khel.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte am Samstag berichtet, bis zu hundert Taliban-Kämpfer seien auf Motorrädern und Geländewagen in ihr Kerngebiet südwestlich des deutschen Feldlagers Kundus zurückgekehrt und hätten dort wieder die Kontrolle übernommen. "Sie stellten sich mit Waffen umgeschnallt auf die Marktplätze der Dörfer und waren fröhlich wie nach einem Sieg", sagte Kehl.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin war die Militäroperation, bei der 300 deutsche Soldaten und 900 afghanische Sicherheitskräfte im Einsatz waren, am vergangenen Dienstag vorläufig beendet worden. Nach afghanischen Angaben kamen vier afghanische Soldaten und 17 Aufständische ums Leben. Der Gouverneur von Kundus hatte zudem erklärt, der Distrikt Char Darah sei von Taliban-Kämpfern und El-Kaida-Terroristen "gesäubert" worden.

Mehrere Soldaten der Isaf getötet

Bei neuen Gefechten und Anschlägen kamen am Wochenende neun Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf ums Leben. Wie die NATO-geführte Truppe mitteilte, wurden im Osten des Landes drei US-Soldaten getötet, als Taliban-Kämpfer einen Militärkonvoi angriffen. In der nördlich von Kabul gelegenen Provinz Kapisa starb am Samstag nach Regierungsangaben aus Paris ein französischer Soldat bei einer Militäroperation gegen Aufständische.

In der Provinz Kandahar im Süden des Landes wurden am Samstag zudem drei US-Soldaten getötet, als ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz explodierte. Zwei weitere ausländische Soldaten starben nach Isaf-Angaben bei einem Bombenanschlag in der südafghanischen Unruheregion.

Vor den Präsidentschaftswahlen in knapp drei Wochen hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan erheblich verschärft. Allein im Juli starben nach Angaben des Internetdienstes icasualties.org 75 ausländische Soldaten. Derzeit sind mehr als 90.000 Sicherheitskräfte von Isaf und US-geführten Koalitionstruppen im Land stationiert.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, cl

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