Politik : Afghanistan: Die Lebensmittel werden knapp

In Afghanistan hält die Flucht von Zehntausenden von Menschen aus ihren Heimatstädten unvermindert an. Außerdem reichten nach neuen Schätzungen die Nahrungsmittelvorräte des Welternährungsprogrammes (WFP) nur noch zwei bis drei Wochen, sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR), Peter Kessler, am Mittwoch in Genf. Rund 3,8 Millionen Afghanen sind von diesen Hilfsleistungen des Welternährungsprogrammes abhängig. Die Situation habe sich so zugespitzt, weil nichtstaatliche Hilfsorganisationen Afghanistan verlassen hätten und Fuhrunternehmer derzeit nicht bereit seien, neue Nahrungsmittel nach Afghanistan zu bringen, sagte Kessler. Das neue Flüchtlingsdrama ist durch die Furcht vieler Afghanen vor einem Gegenschlag der USA ausgelöst worden. Nach den Worten des UNHCR-Sprechers flüchten die meisten Afghanen aus den Städten auf das Land oder in die Berge. "Nur wenige haben Geld, um sich den Transport zur Grenze leisten zu können", sagte Kessler. Für die 5000 Afghanen, denen der Grenzübertritt auf die pakistanische Seite gelungen sei, versuche das Flüchtlingswerk eine vorläufige Unterkunft zu finden. Die Grenzen zu allen sechs Nachbarländern Afghanistans bleiben aber "mehr oder weniger" geschlossen.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die afghanische Taliban-Miliz indes auf, den mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden sofort und bedingungslos auszuliefern. Außerdem wurde die radikalislamische Miliz in einer Erklärung aufgerufen, alle terroristischen Ausbildungslager unverzüglich zu schließen. Der Weltsicherheitsrat hatte die Taliban bereits im Dezember aufgefordert, bin Laden in Zusammenhang mit den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften 1998 in Kenia und Tansania an die USA oder an ein Drittland zu überstellen. Die USA verdächtigen bin Laden als Drahtzieher der Terroranschläge in New York und Washington.

Die afghanische Opposition bot nach den Worten ihres UN-Botschafters Mithilfe beim Kampf gegen die Taliban an. Die 15 000-Mann starken Truppen der Opposition kämpften seit fünf Jahren gegen die Taliban und wüssten, wo sich bin Laden verstecke, sagte UN-Botschafter Farhadi. Er forderte in diesem Zusammenhang Konsultationen der USA mit der Opposition. Bisher habe er keine Informationen, dass dies geschehen sei. Den Sitz Afghanistans bei den UN hält ein Angehöriger des früheren Staatspräsidenten Burhanuddin Rabbani. Die so genannte Nordallianz, die gegen die Taliban kämpft, kontrolliert nur noch ein Zehntel Afghanistans.

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