Afghanistan : Drei deutsche Soldaten gefallen

In der nordafghanischen Region Kundus sind deutsche Soldaten bei einem Unglück mit einem Bundeswehrpanzer getötet worden. Zuvor hatten Aufständische das Militär in ein Feuergefecht verwickelt.

Robert Birnbaum
Bundeswehr
Eine Fallschirmjäger-Patrouille sichert den Nahbereich des Bundeswehr-Feldlagers in Kundus. -Archivfoto: dpa

Berlin - Während eines stundenlangen Feuergefechts mit Aufständischen in der Nähe von Kundus sind am Dienstag drei deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Die Männer starben nach Informationen aus Verteidigungskreisen, als ihr Fuchs-Transportpanzer bei einem Ausweichmanöver in ein tief gelegenes Flussbett kippte und kopfüber liegenblieb. Zwei der Soldaten starben in dem Fahrzeug, ein dritter konnte schwer verletzt geborgen werden, starb aber kurz darauf trotz aller Wiederbelebungsversuche. Weitere Details des Unfallhergangs waren zunächst nicht bekannt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilten den Angriff auf den gemischten deutsch-afghanischen Konvoi. Jung sagte: „Drei Soldaten sind in Afghanistan im Einsatz für den Frieden gefallen.“

Die Patrouille war am Vormittag etwa sechs Kilometer südwestlich des deutschen Lagers in Kundus unter Feuer gekommen. Die Angreifer seien mit Handwaffen und Panzerfäusten bewaffnet gewesen, hieß es. Die Soldaten schossen zurück und forderten Verstärkung sowie Unterstützung aus der Luft an. Das Gefecht dauerte nach Angaben aus Bundeswehrkreisen mehrere Stunden. Dabei wurde eine zunächst unbekannte Zahl weiterer deutscher Soldaten verletzt. Die Toten gehörten dem Panzergrenadierbataillon 391 in Bad Salzungen in Thüringen an.

Seit Beginn des Isaf-Einsatzes im Jahr 2002 sind 27 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan zu Tode gekommen, viele wurden Opfer von Attentaten. Am 29. April war zum ersten Mal ein deutscher Soldat – ebenfalls in der Nähe von Kundus – in einem Gefecht gefallen. Seit etwa zwei Monaten häufen sich Überfälle von Aufständischen auf Bundeswehrpatrouillen in der Region, die sich mehrfach zu regelrechten Gefechten ausgeweitet haben. Seit Jahresanfang wurden 31 Raketenangriffe, Sprengstoffanschläge und bewaffnete Hinterhalte gezählt.

In Kabul behaupteten die Taliban, für den Angriff verantwortlich zu sein. Ein Talibansprecher erklärte, die Kämpfer hätten zwei Panzer zerstört und zehn deutsche Soldaten getötet. Solche Angaben sind allerdings in der Regel immer übertrieben. Unklar war, wie viele der Angreifer getötet oder verletzt wurden. Die Ermittlung dieser Zahlen ist häufig schwierig, zumal die Aufständischen ihre Toten in der Regel abtransportieren.

Jung betonte, der Vorfall stelle den deutschen Einsatz in Afghanistan nicht infrage. Die Sicherheitslage in der Region um Kundus habe sich allerdings verschärft. Der Konflikt seit mit militärischen Mitteln allein nicht zu lösen sei, umgekehrt sei aber ein Aufbau des Landes ohne militärische Absicherung ebenfalls nicht möglich. Steinmeier sprach von einem „feigen Angriff“. Zusammen mit den afghanischen Behörden müssten die Hintergründe aufgedeckt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Die Linke forderte hingegen umgehend den Abzug der Bundeswehr. Fraktionschef Gregor Gysi erklärte, es sei nicht länger zu verantworten, das Leben von Soldaten aufs Spiel zu setzen. Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei forderte eine „Aufbauoffensive“. Nur durch ein ausgewogenes Verhältnis von Militäreinsatz und zivilem Aufbau könne den Taliban der Boden entzogen werden.

Die internationale Schutztruppe Isaf hat im Süden Afghanistans nach eigenen Angaben einen der bislang größten Militäreinsätze gegen die radikalislamischen Taliban gestartet. Wie die Nato-geführte Truppe am Dienstag mitteilte, sind an der seit dem Wochenende andauernden Luftlande-Operation in der Unruheprovinz Helmand zwölf Hubschrauber, 13 Kampfflugzeuge sowie mehr als 350 amerikanische und britische Soldaten beteiligt. Ziel der Offensive sei es, ein Gebiet nördlich der Provinzhauptstadt Laschkar Gah zurückzuerobern, das bislang von den Aufständischen kontrolliert werde, hieß es. Angaben über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Provinz Helmand gilt als Taliban-Hochburg. Zudem zählt sie zu den wichtigsten Anbaugebieten von Schlafmohn, aus dem Opium und schließlich Heroin gewonnen wird. Von hier stammen etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion. Afghanistan ist insgesamt für mehr als 90 Prozent der globalen Opiumproduktion verantwortlich.

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