Afghanistan : Dutzende Zivilisten bei Luftangriffen getötet

Ausländische Streitkräfte haben in Afghanistan bei Luftangriffen offenbar fast 70 Zivilisten getötet. Die Nato beantragte daneben bei der Bundesregierung eine Verlängerung des Tornado-Einsatzes der Bundeswehr.

BerlinTrotz scharfer Kritik des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai an der Ungenauigkeit ihrer Angriffe haben die ausländischen Streitkräfte offenbar erneut Dutzende afghanischer Zivilisten bei Luftangriffen getötet. "Unsere Untersuchungen zeigen bislang, dass im Bezirk Gereschk 65 Zivilisten getötet wurden", sagte Bezirkschef Dor Alischah. Zuvor hatte er angegeben, bei den Angriffen vom Freitag seien 30 Zivilisten getötet worden. Die Zahl der getöteten Taliban-Kämpfer gab er mit 35 an. In einer schriftlichen Erklärung bestätigte die US-geführte Koalition, dass es unter den Opfern der Kämpfe "offenbar Zivilisten" gab.

An den Luftangriffen waren sowohl die Koalitionstruppen als auch die internationale Afghanistan-Truppe Isaf beteiligt, wie Koalitionssprecher Chris Belcher sagte. Präsident Karsai hatte vor kurzem kritisiert, die Einsätze der Isaf und der Koalition seien vielfach "wahllos und ungenau".

Nato beantragt Verlängerung von Tornado-Einsatz

Die Nato beantragte bei der Bundesregierung eine Verlängerung des Tornado-Einsatzes der Bundeswehr. Angesichts der prekären Sicherheitslage forderten Mitglieder des US-Senats in einem Schreiben an Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, die Lasten des Einsatzes in Afghanistan gleichmäßiger zu verteilen.

Nach dem Willen der Nato soll der in Deutschland umstrittene Tornado-Einsatz in Afghanistan über den Herbst hinaus verlängert werden. "Wissend um die zeitliche Begrenzung des Mandats hat die Nato vor ein paar Tagen um die Fortsetzung des Einsatzes gebeten", bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Die sechs Tornados sind seit Mitte April in Afghanistan im Einsatz. Ihr Mandat ist bislang bis zum 13. Oktober begrenzt.

"Die USA können die Gewalt nicht allein bekämpfen"

In einem von 22 US-Senatoren unterzeichneten Schreiben an Nato-Generalsekretär De Hoop Scheffer vom Freitag hieß es, die Vorbehalte und Einschränkungen einiger Länder hinsichtlich der Einsatzgebiete und Aufgaben ihrer Truppen in Afghanistan seien ungerecht im Vergleich zu denjenigen Ländern, die ihre Soldaten in gefährliche Einsätze schickten. Die Sicherheitslage verschlechtere sich, warnten die Senatoren. "Die USA können die Taliban, Al Qaida und die Gewalt, die insbesondere in Südafghanistan wieder Fuß fassen, nicht allein bekämpfen."

Seit August 2003 führt die Nato die Afghanistan-Schutztruppe Isaf, die Verantwortung für das gesamte Territorium hat die Allianz seit Oktober 2006. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder auch hohe Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung, allerdings wurden bei einzelnen Angriffen zumeist nicht so viele getötete Zivilisten beklagt wie an diesem Wochenende. Am Anfang der internationalen Intervention in Afghanistan wurden laut Hilfsorganisationen in Tora Bora am 5. Dezember 2001 rund 150 Menschen getötet.

In diesem Jahr kamen in Afghanistan bislang 93 ausländische Soldaten ums Leben, unter ihnen drei deutsche. Die Bundeswehr, mit rund 3200 Soldaten nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Isaf-Truppensteller, ist in der Hauptstadt Kabul sowie in den nördlichen Städten Masar-i-Scharif, Kundus und Faisabad stationiert. (mit AFP)

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