Afghanistan-Einsatz : Baldiges Ende des Nato-Einsatzes gefordert

Ginge es nach Verteidigungsminister Jung, sollen die Soldaten noch fünf bis zehn Jahre im Land bleiben. Indes fordern immer mehr Politiker einen Abzug der Truppen.

BerlinDer frühere Leiter des Planungsstabs der Bundeswehr, Ulrich Weisser, plädiert für ein Ende des Nato-Einsatzes in Afghanistan bis 2011. Bundesregierung und Parlament hätten bislang nicht überzeugend dargelegt, warum deutsche Soldaten in Afghanistan, „einem Land, das von Drogenkartellen beherrscht und von Korruption zerfressen wird“, eingesetzt werden, sagte er im Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau".

Dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt wird, reiche als Begründung nicht aus, sagte Weisser. Mit den erkennbaren Absetzbewegungen der wichtigsten Bündnispartner sehe sich Deutschland in einer schwierigen Situation und werde "als Bündnispartner zweiter Klasse behandelt, weil es an Solidarität mangele", sagte Weisser. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollten afghanische Truppen und Polizei für die Sicherheit im Land sorgen.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bekräftigt indes in der "Bild", dass die deutschen Soldaten noch "fünf bis zehn Jahre" im Einsatzgebiet bleiben müssten. Solange würde es dauern, bis Afghanistan in der Lage ist, selbst für seine Sicherheit zu sorgen. Jungs Amtsvorgänger Volker Rühe (CDU) hatte zuvor einen Abzug der Bundeswehr in zwei Jahren gefordert und den Einsatz als "Desaster" bezeichnet. Jung forderte seinen Vorgänger zur Zurückhaltung auf.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), warnte vor einem Wahlkampfstreit über einen Truppenabzug aus Afghanistan. Die Debatte könnte zu noch mehr Anschlägen der Taliban auf die Bundeswehr führen. Erst am Wochenende hatten die Taliban einen Selbstmordanschlag vor dem Nato-Hauptquartier in Kabul verübt. Die Bundeswehr rechnet im Vorfeld der afghanischen Präsidentschaftswahl mit einer weiteren Zunahme von Angriffen und Anschlägen der Aufständischen.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, sh

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