Afghanistan-Einsatz : Taliban leisten großen Widerstand

Die US-Truppen liefern sich bei ihrer Großoffensive in Afghanistan erhebliche Kämpfe mit den Taliban. Eine neue Strategie soll die Islamisten endgültig zurückdrängen

In der Nähe der Stadt Garmir in der südafghanischen Helmand-Provinz sei es zu einem achtstündigen Feuerwechsel mit den Aufständischen gekommen, berichtete der TV-Sender CNN unter Berufung auf das Pentagon. Die Marines (Marineinfanteristen) seien hierbei auf erheblichen Widerstand gestoßen und hätten Hubschrauber zur Unterstützung angefordert.

An anderen Orten hätten sich die Taliban dagegen vor den Angriffen der US-Marines überwiegend zurückgezogen und lediglich schwachen Widerstand geleistet. US-Medien sprachen von einer bisher überwiegend erfolgreichen Offensive.

Offiziell teilten die US-Militärs in Afghanistan lediglich mit, die Operationen der Marines und afghanischer Soldaten dauerten an. Ziel sei es, die Bevölkerung vor den Taliban zu schützen. Zugleich gehe es aber auch darum, nach dem Ende der Kampfhandlungen den wirtschaftlichen Aufbau in der Region in Angriff zu nehmen. Offiziellen Angaben zufolge kam seit Beginn der Offensive am Donnerstag ein US-Soldat ums Leben, mehrere wurden verletzt. Über Todesopfer der Taliban machte das Pentagon keine Angaben.

Die US-Truppen hatten am Donnerstag ihre erste Großoffensive in Afghanistan seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama im Januar begonnen. Rund eineinhalb Monate vor der Präsidentschaftswahl in Kabul beteiligen sich rund 4000 US-Marineinfanteristen und 650 afghanische Sicherheitskräfte an der Offensive gegen die Taliban-Hochburgen. Bei der Offensive handelt es sich um einen ersten Test für den neuen US-Kommandeur in Afghanistan, Stanley A. McChrystal. Obama hatte immer wieder erklärt, der Kampf gegen die Taliban habe für ihn oberste Priorität.

Zugleich hieß es, die US-Truppen verfolgten bei ihrer Offensive erstmals eine neue Strategie. Demnach wollen sie in der Taliban-Hochburg Helmand mehrere kleine Stützpunkte einrichten, um so eine Rückkehr der Aufständischen zu verhindern, berichtete die New York Times. Bisher seien die US-Truppen lediglich kurz auf Gebiete der Taliban vorgestoßen und hätten sich danach wieder zurückgezogen.

Das neue Vorgehen sei durch die jüngste Verstärkung der US-Truppen ermöglicht worden. "Es geht nicht nur einfach darum, den Einfluss der Taliban zurückzudrängen, sondern diesen Einfluss durch Sicherheits-Operationen und Wiederaufbau zu ersetzen", sagte der US-Offizier der New York Times.

Die neue Strategie sei allerdings nicht ohne Risiken für die US-Truppen. Die New York Times berichtete von Problemen in der Helmand-Provinz. "Dorfbewohner in einigen Distrikten haben die Waffen gegen die fremden Truppen erhoben." Ursache seien Luftangriffe der US-Truppen, bei denen immer wieder viele Zivilisten ums Leben kämen, schreibt die Zeitung. Dies erschwere die Operationen der US-Truppen.

Auch britische Truppen beteiligen sich

Die Großoffensive wird nach Angaben des britischen Senders BBC auch von Aktionen britischer Soldaten flankiert. Demnach beteiligten sich mehr als 700 Streitkräfte des Königreichs an der dritten Welle der Operation "Panthers Claw", die bereits vor zwei Wochen in der Provinz von den Briten gestartet worden war. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.

Seit Beginn des Einsatzes am Hindukusch im Oktober 2001 sind insgesamt 171 britische Soldaten getötet worden. Das bisher letzte Opfer war am Mittwoch ein hochrangiger britischer Soldat, der bei einem Einsatz ums Leben kam. Der 39-jährige Oberstleutnant starb zusammen mit einem weiteren Soldaten, als das Fahrzeug der beiden von einer Bombe zerstört wurde.

Von dem von den Taliban entführten US-Soldaten in der südostafghanischen Provinz Paktika fehlt weiterhin jede Spur. Der Soldat hatte sein Lager unbewaffnet verlassen, berichtete der Nachrichtensender CNN. Der örtliche Taliban-Kommandeur Mullah Sangin sagte, Forderungen für die Freilassung des Amerikaners seien bisher nicht gestellt worden. Darüber werde der Führungsrat der Taliban entscheiden.

ZEIT ONLINE, aku, dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben