Afghanistan-Einsatz : USA debattieren über Helm-Video eines Soldaten

Näher an das Kampfgeschehen in Afghanistan kann man nicht kommen: Das Youtube-Video eines jungen amerikanischen Soldaten zeigt ihn im Einsatz - und wie er verwundet wird. Auch deswegen ist das Video heftig umstritten.

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Das Video des amerikanischen Soldaten Ted Daniels, gefilmt mit einer Helmkamera, ist wohl das meistgesehene Afghanistan-Video - und heftig umstritten.
Das Video des amerikanischen Soldaten Ted Daniels, gefilmt mit einer Helmkamera, ist wohl das meistgesehene Afghanistan-Video -...Foto: Sreenshot

Es ist vermutlich das meistbeachtete Video aus dem Krieg in Afghanistan. Mehr als 23 Millionen Menschen hatten bis gestern den 3-Minuten29-Sekunden-Clip auf Youtube gesehen. Er zeigt, wie ein einfacher Soldat, Private first class (Pfc) Ted Daniels, den Kampf gegen die Taliban in den kargen Bergen im Osten des Landes erlebt, wie er getroffen wird, zu Boden geht, um Hilfe ruft. Die Kamera, die das aufnimmt, hat er auf seinem Helm montiert – nicht im Auftrag des Militärs, sondern für den privaten Gebrauch. Die Perspektive ist eine ganz andere als in einem Film über den Krieg. Dort würde man das Gesicht des Gefreiten in diesen Momenten sehen, und die Kameraführung würde dem Zuschauer in der Totalen einen Überblick geben, wie er sich bei der Annäherung seiner Einheit an ein von Taliban gehaltenes Dorf durch das Gelände bewegt. Das Video aus der Helmkamera zeigt den Angriff mit den Augen des Gefreiten Daniels. Man hört, wie die Steinchen im Hang unter seinen Stiefeln nachgeben, man hört ihn keuchen, man spürt die jähe Anspannung, als Kugeln erst neben seinem Körper einschlagen und ihm dann das Gewehr aus den Händen reißen, während er verzweifelt nach Deckung sucht.

Unzählige Soldaten nehmen inzwischen solche Videos auf, schreibt die „Washington Post“. Dies werde zu einer Herausforderung für die Führung der Streitkräfte. Daniels sagt, er habe die Aufnahmen von den Momenten, in denen er verwundet wurde, zunächst als privat betrachtet und eventuell später seinen Kindern zeigen wollen. Als er das Video in einem nicht öffentlich zugänglichen Bereich von Youtube für sich sicherte, habe einer der Betreiber ihn um Erlaubnis gebeten, den Clip zu veröffentlichen. Daniels habe sich überreden lassen, bekam dann aber Ärger mit Vorgesetzten. Sie befürchteten, die Taliban könnten Szenen, in denen ein US-Soldat verwundet wird und um Hilfe ruft, für Propagandazwecke benutzen.

Laut der "Washington Post" sind Videos, wie das folgende von Ted Daniels keine Seltenheit mehr:

In den USA hat das Video einerseits Neugier auf den 37-jährigen Daniels ausgelöst, der 15 Jahre lang Polizist in Maryland und Pennsylvania war, ehe er der Armee beitrat. Andererseits hat es eine Debatte über sehr unterschiedliche Aspekte ausgelöst. Helfen solche Clips, ein authentischeres Bild des Kriegs zu zeigen? Sind sie eine moderne Form der Trophäensammlung, wie sie Soldaten seit Jahrhunderten betrieben hatten?

Und was sagt dieses spezielle Video über die Ausbildung und die taktischen Fähigkeiten einfacher US-Soldaten wie den Gefreiten Daniels aus? Die Kommentare zu seinem militärischen Verhalten sind zum Teil vernichtend. Es sei dumm gewesen, so ungeschützt vorzurücken, heißt es in vielen der 80 000 Kommentare auf Youtube. Andere wollen in Daniels einen Helden sehen, der das gegnerische Feuer auf sich gezogen habe, um seiner Einheit zu helfen.

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