Afghanistan-Einsatz : Wie man sich rüstet

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat nach dem Tod von drei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan eine härtere Gangart angekündigt. Zusätzliche Soldaten sollen entsendet werden, dem Bundeswehrverband ist das noch zu wenig.

Berlin - Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat nach dem Tod von drei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan eine härtere Gangart angekündigt. „Wer uns angreift, der wird auch bekämpft, und die Bundeswehr hat dafür die notwendigen Antworten“, sagte Jung am Mittwoch. Am Tag zuvor waren ein 23-jähriger Hauptgefreiter aus Brandenburg, ein 23-jähriger Obergefreiter aus Sachsen-Anhalt und ein 21-jähriger Hauptgefreiter aus Nordrhein-Westfalen ums Leben gekommen. In Rede steht bei Jungs Ankündigung die Entsendung zusätzlicher Soldaten, wie sie die Bundeswehr in Deutschland vorhält, um kurzfristig auf krisenhafte Entwicklungen am Hindukusch reagieren zu können, nicht die Verlegung zusätzlichen Materials.

Das geht dem Deutschen Bundeswehrverband (DBwV) nicht weit genug. DBwV-Sprecher Wilfried Stolze forderte eine bessere Ausrüstung der Soldaten. Bei Gefechten mit aufständischen Taliban wäre es zum Schutz der Soldaten wünschenswert, wenn sie nicht von ihrem gepanzerten Dingo oder Fuchs absitzen müssten, mit Gewehr in Stellung gehen und dann zurückschießen, sondern Gefechtsfahrzeuge wie die Panzerhaubitze 2000 oder zusätzliche Marder-Panzerfahrzeuge hätten, um aus größerer Distanz schießen zu können. Das größte Ausrüstungsmanko bestehe neben ausbaufähigen Möglichkeiten elektronischer Kommunikation aber vor allem im Fehlen geeigneter und genügender Lufttransportmöglichkeiten. Die Bundeswehr sei eine Armee im weltweiten Einsatz, habe aber nicht genügend Transportflugzeuge zur Verlegung. Die Hubschrauber vor Ort seien zudem zu alt. „Das Material befindet sich im Dauerstress, Motoren und Propeller sind in den sandigen Gebieten Afghanistans der Gefahr der Überlastung ausgesetzt.“

Das Verteidigungsministerium wies die Forderungen zurück. „Wir haben keinerlei Klagen von der taktischen Führung vor Ort, dass ihnen etwas fehlt“, sagte Ministeriumssprecher Raabe. Waffen wie Panzerhaubitzen würden nicht eingesetzt, um Frauen und Kinder nicht zu gefährden. „Wir wollen keine zivilen Opfer“, sagte Raabe. SPD-Experte Hans-Peter Bartels sagte, „Kampfpanzer und Panzerhaubitzen haben allenfalls Abschreckungspotenzial. Für den Einsatz in Gefechten auf engem Raum sind sie nicht geeignet.“ Eine große Hilfe wäre nach seiner Einschätzung der Einsatz von Hubschraubern zur Absicherung von Patrouillen aus der Luft. Der schon vor Jahren bestellte Unterstützungshubschrauber Tiger sei ebenso wenig einsatzfähig wie der Nato-Hubschrauber 90. Deshalb müsse die Bundeswehr im Notfall Luftunterstützung der Isaf anfordern.

SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold kritisierte, dass die „Defizite im Bereich der Luftaufklärung und beim Einsatz von Hubschraubern“ seit längerem bekannt seien. Er forderte das Ministerium dazu auf, den Einführungsprozess des Tiger-Kampfhubschraubers zu beschleunigen. Für die Übergangszeit müsse mit den amerikanischen Partnern über eine Stationierung von US-Hubschraubern verhandelt werden. has/mis

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