Afghanistan : Entführter pakistanischer Botschafter wieder frei

Nach über drei Monaten in der Hand mutmaßlicher islamistischer Extremisten ist der pakistanische Botschafter in Afghanistan wieder frei. Die Taliban behauptet, dass sie dafür zwölf von ihren Kämpfern aus pakistanischer Haft zurück bekommen habe. Ein gutes Geschäft, dass die pakistanische Regierung bestreitet.

IslamabadTariq Azizuddin wurde nach Regierungsangaben am Freitag im nordwestlichen Stammesgebiet Pakistans von einer örtlichen Taliban-Gruppe an die Behörden übergeben. "Wir haben ihn zurück, er ist bei uns und in Sicherheit", sagte der Sprecher des Außenministeriums in Islamabad, Mohammad Sadiq, am Samstag. Aus Taliban-Kreisen verlautete, zwölf islamistische Kämpfer seien im Tausch aus pakistanischen Gefängnissen entlassen worden. Die Regierung in Islamabad stritt dies ab.

Auch der Fahrer und der Leibwächter Azizuddins seien wohlbehalten zurückgekehrt, sagte Sadiq. Der Diplomat war am 11. Februar auf dem Weg ins Nachbarland Afghanistan in der Stammesregion Khyber im Nordwesten Pakistans verschleppt worden. Dieses Grenzgebiet zu Afghanistan entzieht sich weitgehend der Kontrolle pakistanischer Behörden und Sicherheitskräfte. Es dient als Unterschlupf für islamistische Kämpfer, die den radikalislamischen Taliban-Rebellen und dem Terrornetzwerk El Kaida nahestehen.

Zweimal mit dem Gewehr auf den Kopf gehauen

Die Angehörigen des Diplomaten zeigten sich erleichert. Verwandte und Freunde versammelten sich im Haus des Botschafters in der pakistanischen Stadt Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad, um ihn zu empfangen. "Ich danke Allah und der pakistanischen Regierung und bin sehr glücklich, zurück im Leben zu sein", sagte Azizuddin nach seiner Ankunft am Samstagabend. Die Entführer hätten ihn während seiner Gefangenschaft aber gut behandelt. "Als sie mich entführten wurde ich zweimal mit einem Gewehr auf den Kopf gehauen aber später gaben sie mir Essen und einen Platz zum Schlafen", sagte der Botschafter.

Mitte April verbreitete der arabische Nachrichtensender El Arabija ein Video des 56-jährigen Botschafters, auf dem dieser die Regierung in Islamabad aufforderte, alles ihr Mögliche zu tun, "um den Forderungen der Taliban nachzukommen, um unsere Freilassung zu ermöglichen." Im Hintergrund waren bewaffnete Männer zu sehen. Nun hieß es aus Taliban-Kreisen, Pakistan habe zwölf Menschen im Austausch für Azizuddin freigelassen.

"Wir haben niemanden ausgetauscht"

Der Chef des pakistanischen Innenministeriums, Rehman Malik, verneinte jedoch, dass es im Fall Azizuddins ein Geschäft mit den Entführern gegen habe. "Wir haben niemanden ausgetauscht und niemanden freigelassen", sagte er vor Journalisten. Die Freilassung des Diplomaten sei ausschließlich auf die Anstrengungen der Strafverfolgung zurückzuführen.

Die Freilassung des Botschafters kommt zu einem Zeitpunkt, da die neue pakistanische Regierung die Konflikte mit den radikalen Islamisten durch eine neue Strategie zu lösen versucht. Im April ließ die Koalitionsregierung unter Yousaf Raza Gillani rund 30 Stammesangehörige aus verschiedenen Gefängnissen frei, im Gegenzug kamen 55 von Taliban-Sympathisanten verschleppte Soldaten frei. (kj/AFP)

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