Politik : Afghanistan: Erste Hungertote

Nach der schlimmsten Dürre in Afghanistan seit 30 Jahren sterben die ersten Menschen an Unterernährung. "Die Lage wird sich wahrscheinlich während der Wintermonate dramatisch verschlechtern", sagte der UN-Koordinator für Afghanistan, Mike Sackett, am Mittwoch in Islamabad. Zugleich richtete er im Namen der Vereinten Nationen einen Appell an die Weltgemeinschaft, 230 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe in Afghanistan zur Verfügung zu stellen. Die Not und der anhaltende Krieg hätten schon rund 30 000 Menschen zur Flucht ins benachbarte Pakistan gezwungen, sagte Sackett. "Viele Afghanen sehen sich vor die schwierige Entscheidung gestellt, ob sie ihre Häuser verlassen sollen, wo ihnen der Hungertod droht", sagte der UN-Experte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte unterdessen in Genf, im vergangenen Frühjahr seien in Afghanistan durch eine Masern-Epidemie rund 1000 Kinder gestorben. Diese Kinder hätten überlebt, wenn die internationalen Spendengelder für die Gesundheitsvorsorge in Afghanistan nicht so spärlich geflossen wären, hieß es. Auch ein großer Teil der 15 000 Frauen, die in Afghanistan jedes Jahr durch die Komplikationen nach Schwangerschaften und Geburten sterben, könnte nach WHO-Angaben durch bessere Vorsorge gerettet werden.

Sackett kritisierte die Taliban, die 95 Prozent von Afghanistan beherrschen, wegen ihrer Unterdrückungspolitik gegen Frauen. "Frauen werden in vielen Lebensbereichen diskriminiert, ihnen wird das Recht auf Erziehung und das Recht auf Arbeit außerhalb des Gesundheitssektors verweigert", sagte Sackett.

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