Politik : Afghanistan: Für Toleranz und neue Häuser

Ruth Franziska Hoffmann

Während der Krieg in Afghanistan weiter geht, laufen die Vorbereitungen für den Wiederaufbau des Landes an. Die Hilfswerke stehen in den Startlöchern, um Schulen zu bauen, zerstörte Krankenhäuser wieder herzurichten, Wasserleitungen und Straßen zu reparieren. Deutschland hat für den Wiederaufbau rund 260 Millionen Mark in Aussicht gestellt. Jetzt prüft das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wo das Geld am sinnvollsten zu investieren ist. Zu diesem Zweck war ein sechsköpfiges Erkundungsteam der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) vor Ort. Die Vorschläge der Experten werden jetzt dem Ministerium vorgelegt. An diesem Donnerstag reist auch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nach Kabul.

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Ein Schwerpunkt deutscher Wiederaufbau-Arbeit könnte nach Meinung des GTZ-Teams der Bildungsbereich sein. Und dort fehlt es an allem. Es gibt keine Hefte, keine Kreide und Tafeln. Mit einheimischen Lehrern und Lehrerinnen hat die GTZ Schulbücher entwickelt, mit denen schon jetzt Kinder in den Flüchtlingslagern bei Peschawar unterrichtet werden. "Die Bücher sind ein Teil der Friedenserziehung" sagt Michael Nienhaus, Regionalleiter Süd-West-Asien bei der GTZ. "Sie vermitteln Toleranz anderen Ethnien gegenüber." Die Bücher könnten in Afghanistan gedruckt werden.

Ein weiterer Vorschlag ist die gewerbliche Berufsausbildung für Jugendliche. "Die meisten haben ja nur das Handwerk mit der Waffe gelernt", sagt Nienhaus. In sechsmonatigen Kursen soll ihnen vermittelt werden, "was beim Aufbau ihrer zerstörten Dörfer gebraucht wird" - Elektroleitungen legen und reparieren, mauern, tischlern, Rohre flicken. Voraussichtlich Ende Januar wird der deutsche Beitrag Gestalt annehmen: Dann eröffnen die GTZ und die Kreditanstalt für Wiederaufbau gemeinsam ein Büro in Kabul, um die Arbeit zu koordinieren.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist in Afghanistan seit 1986 im Einsatz. Allmählich kehren nun die ausländischen Mitarbeiter zurück, derzeit seien es etwa 40, berichtet Antonella Notari vom IKRK. Die 1000 lokalen Mitarbeiter, unter ihnen auch Frauen, hatten auch während des Krieges weitergearbeitet. Das IKRK hat sechs orthopädische Zentren eingerichtet, in denen Minenopfer behandelt werden. Viele arbeiten, sobald es ihnen besser geht, im Rehazentrum oder der Prothesenwerkstatt mit, berichtet Notari. Afghanistan war auch vor den Luftangriffen der USA eins der am stärksten verminten Länder der Erde. Jetzt kommen zu den Landminen noch die Streubomben der Amerikaner. "Minen und nicht detonierter Sprengstoff werden noch sehr lange eines der größten Probleme bleiben", erklärt Notari. Niemand könne sagen, wieviel der gefährlichen Fracht noch im Boden liegt.

Auch die Minen-Aufklärungs-Programme der Vor-Taliban-Zeit wurden darum wieder aufgenommen. Über "Radio Afghanistan" laufen statt Werbung ständig Warnungen, keine unbekannten Gegenstände aufzuheben. "Die Spots sind sehr einfach und eindringlich formuliert, damit auch Kinder sie verstehen", erzählt Notari. Um auch diejenigen zu erreichen, die kein Radio besitzen, reisen jetzt einheimische Helfer auch in entlegene Bergdörfer.

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