Politik : Afghanistan: Gefängnisaufstand niedergeschlagen

Der Aufstand gefangener Taliban-Kämpfer in der Festung Kalai Dschanghi bei Masar-i-Scharif ist am Dienstag nach drei Tagen mit dem Tod der letzten Kämpfer zu Ende gegangen. Dies berichtete die Nordallianz. Der Aufstand wurde mit massiver US-Luftunterstützung niedergeschlagen. Soldaten des Nordbündnisses brachen am Dienstag mit Panzern und Granatwerfern den letzten Widerstand der Taliban. Bis zu 400 ausländische Taliban-kämpfer kamen bei dem zweitägigen Aufstand ums Leben.

Bei der Revolte wurden offiziellen Angaben aus Washington zufolge fünf amerikanische Soldaten bei US-Bombenangriffen versehentlich schwer verletzt; ein weiterer Amerikaner kam ums Leben. Am Dienstag fielen sechs Soldaten der Nordallianz. Aus der Festung waren schwere Explosionen zu hören. Der US-Fernsehsender CNN berichtete, zuletzt hätten sich auch amerikanische und britische Spezialeinheiten an der Erstürmung beteiligt. Die meisten Gefangenen waren ausländische Talibankämpfer aus arabischen Ländern, aus Pakistan und Tschetschenien.

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Ein Sprecher der Nordallianz, Alim Rasim, berichtete, die Lage in der Festung sei nun völlig unter Kontrolle. "Alle wurden getötet." Insgesamt 450 Gefangene sollen an dem Aufstand beteiligt gewesen sein. Die ausländischen Söldner hatten bis zuletzt mit Raketen und Mörsern auf die Kämpfer der Nordallianz, die von US-Soldaten unterstützt wurden, gefeuert. Die verletzten US-Soldaten sollten zur Luftwaffenbasis Ramstein geflogen werden. Aus Regierungskreisen verlautete, ein CIA-Mitarbeiter werde in der Zitadelle vermisst. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon bestätigte, dass auch vier britische Soldaten verletzt wurden. Sie seien zur Behandlung nach Großbritannien gebracht worden.

Die ausländischen Taliban-Kämpfer waren nach ihrer Kapitulation in Kundus in die Festung gebracht worden. Am Sonntag überwältigten sie ihre Bewacher und begannen einen Kampf, der vermutlich hunderte von Menschenleben in ihren Reihen gefordert hat.

Bei der Befestigung des US-Lagers bei Kandahar kam es unterdessen am Dienstag zu einem ersten Gefecht. Als sich eine Kolonne von 15 Panzerfahrzeugen näherte, griffen zwei amerikanische F-14-Jets an. Einige Fahrzeuge seien zerstört worden, sagte Hauptmann David Romley. Der Kommandeur der Marineinfanteristen, General James Mattis, sagte, in Kürze würden mehr als tausend Soldaten im Einsatz sein. Hubschrauber und Transportflugzeuge brachten die ganze Nacht hindurch Soldaten und Ausrüstung.

Die USA ließen eine kleine Gruppe von Journalisten zu dem Stützpunkt. Die Basis liegt in einem abgelegenen flachen Wüstenstrich, die einzigen sichtbaren Lichter sind die Markierungen der Landebahn. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, Aufgabe der Marines sei es, Fluchtwege der Taliban- und Al-Qaida-Führer abzuschneiden, Ziele für Luftangriffe zu markieren und bei sich bietenden Gelegenheiten schnelle Angriffe auszuführen.

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