Afghanistan : Großbritannien schickt zusätzliche Soldaten

Die britische Regierung hat angekündigt, 1400 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch zu entsenden. US-Vizepräsident Cheney forderte derweil Pakistan auf, den Kampf gegen islamistische Kämpfer zu verstärken.

Islamabad/Kabul - Bei einem zweistündigen Treffen mit Präsident Pervez Musharraf habe Dick Cheney "den Befürchtungen der USA über das verstärkte Auftreten von Al Qaida " Ausdruck verliehen, hieß es in einer pakistanischen Erklärung. Anschließend reiste der US-Vizepräsident ins Nachbarland Afghanistan weiter.

Das Weiße Haus in Washington erklärte, in Pakistan müsse "viel mehr" gegen das Terrornetzwerk Al Qaida unternommen werden. Gleichzeitig erkannte Präsidentensprecher Tony Snow das Engagement Islamabads im Kampf gegen militante Islamisten an. Snow ließ aber auch durchblicken, dass Cheney Pakistan wegen Versäumnissen im Anti-Terror-Kampf mit der Kürzung von Finanzmitteln gedroht haben könnte. Dieses hatte die "New York Times" auf ihrer Internetseite unter Berufung auf mehrere namentlich nicht genannte Regierungsbeamte berichtet. Der pakistanische Staatschef habe zwar in den vergangenen Monaten "zahlreiche Zusicherungen" gemacht. Unterm Strich habe aber nichts funktioniert, zitierte die Zeitung einen Beamten.

Treffen zwischen Cheney und Karsai am Dienstag

Ein zunächst geplantes Treffen Cheneys mit dem afghanischen Staatschef Hamid Karsai in Kabul wurde nach Angaben des Büros Cheneys wegen schlechten Wetters abgesagt. In Kabul schneite es am stark. Der US-Vizepräsident war zuvor auf der US-Militärbasis in Bagram gelandet; die Weiterreise ins 60 Kilometer entfernte Kabul war offenbar nicht möglich. Ein Sprecher Karsais sagte aber, das Treffen werde vermutlich am Dienstag stattfinden. Eine Sprecherin Cheneys bestätigte, das Treffen sei verschoben worden.

Auch die britische Außenministerin Margaret Beckett traf am Montag mit Musharraf zusammen. Dabei forderte sie ebenfalls ein verstärktes Engagement Pakistans beim Kampf gegen Al Qaida und die Taliban in der Grenzregion zu Afghanistan. "Al Qaida und ihre verbündeten Bewegungen sind eine gemeinsame Bedrohung der Gesellschaft", sagte die Ministerin. "Um zu siegen, ist eine Koordination und Kooperation zwischen unseren Ländern notwendig."

Auch Türkei entsendet weitere Soldaten

Verteidigungsminister Desmond Browne sagte, die zusätzlichen britischen Soldaten sollten im Laufe des Sommers größtenteils in der Unruheprovinz Helmand im Süden des Landes eingesetzt werden. Derzeit sind in Afghanistan rund 5600 britische Soldaten stationiert, die meisten von ihnen in der Südprovinz Helmand, in der die radikalislamischen Taliban aktiv sind. Auch die Türkei kündigte eine Aufstockung ihrer Truppen in dem Land um etwa 200 auf rund 1000 Soldaten an. Insgesamt sind etwa 56.000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert.

Die USA haben Pakistan wiederholt vorgeworfen, den Anti-Terror-Kampf im Grenzgebiet mit zu wenig Nachdruck zu führen und damit die Anschläge der Extremisten in Afghanistan indirekt zu unterstützen. (tso/AFP/dpa)

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