Afghanistan : Isaf-Truppen erschießen Bezirksgouverneur

Tödlicher Irrtum: Ein afghanischer Bezirksgouverneur ist offenbar von NATO-Soldaten erschossen worden. Australische Truppen hätten den Gouverneur Rosi Chan Bareksai und seine Begleiter für Taliban-Kämpfer gehalten und das Feuer eröffnet.

Isaf Afghanistan
Afghanistan: Isaf-Soldaten schützen Bauern bei der Arbeit. -Foto: dpa

Bei dem Zwischenfall seien auch die beiden Leibwächter von Bareksai ums Leben gekommen. Dies teilte der Polizeichef der betroffenen Provinz Urusgan mit. Der Gouverneur sei am Mittwoch von einem Freund herbeigerufen worden, der sein Haus von Aufständischen umstellt wähnte. "In Wirklichkeit hatten australische Soldaten das Haus umstellt und als Rosi Chan und seine Männer ankamen, hielten die ausländischen Truppen sie für Taliban und eröffneten das Feuer", sagte der Polizeichef . In der Provinz Urusgan kämpfen rund 1000 Soldaten aus Australien gegen radikal-islamische Aufständische.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai äußerte sich betrübt über den Tod des Bezirksgouverneurs. Er sei einem "Missverständnis" zwischen den Koalitionstruppen und den örtlichen Sicherheitskräften zum Opfer gefallen. Die Isaf in Kabul berichtete, sie untersuche den Vorfall, der sich während eines Feuergefechts in der Provinz ereignet habe.

In den vergangenen Wochen hatte der Tod von Unbeteiligten und Zivilisten bei Isaf-Einsätzen für erhebliche Verstimmung zwischen der internationalen Koalition und der afghanischen Regierung geführt. Besonders ein US-geführter Luftangriff auf ein Dorf im Westen des Landes, bei dem nach Angaben der Regierung und der Uno 90 Zivilisten getötet wurden, sorgte für Empörung.

Der Vorfall wird untersucht, die USA sprechen derzeit von "fünf bis sieben" getöteten Zivilisten. US-Verteidigungsminister Robert Gates war angesichts der wachsenden Spannungen überraschend nach Kabul gereist und hatte am Mittwoch besseren Schutz der Zivilbevölkerung sowie Entschädigung für die Opfer versprochen.

(dab/dpa/afp)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar