Afghanistan : Kabinett nickt Awacs-Einsatz deutscher Soldaten ab

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass sich Deutschland beim Nato-Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan beteiligt.

17 Flugzeuge sind in Geilenkirchen bei Aachen (Nordrhein-Westfalen) stationiert, im britischen Waddington sind es sieben. Ein Drittel der Besatzungen kommt aus Deutschland. Nach Angaben von Diplomaten trägt Deutschland damit etwa 25 Prozent der Kosten. Der Bundestag entscheidet voraussichtlich am 3. Juli über das Mandat. Eine breite Mehrheit gilt als sicher.

Die Nato-Verteidigungsminister hatten in der vergangenen Woche in Brüssel beschlossen, drei bis vier der Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan zu schicken. Sie sollen bei der Regelung des immer dichter werdenden Luftverkehrs helfen, jedoch nicht bei der Erfassung militärischer Ziele mitwirken.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte in Brüssel darauf verwiesen, dass in Afghanistan mit einer drei- bis fünffachen Steigerung des Luftverkehrsaufkommens gerechnet werde. Das Magazin Der Spiegel hatte berichtet, der Bundestag solle die Entsendung von bis zu 300 zusätzlichen Soldaten für den Awacs-Einsatz bewilligen. Das seien mehr als bisher angekündigt. Erst im Oktober vergangenen Jahres hatte das Parlament die Obergrenze der deutschen Beteiligung an der Internationalen Schutztruppe Isaf um 1000 auf 4500 Mann angehoben. Für die Aufklärungsmission wird allerdings nicht das alte Bundestagsmandat für den Isaf-Einsatz aufgestockt, sondern ein völlig neues Mandat geschaffen. Ihm muss auch der Bundestag zustimmen. Derzeit sind rund 3600 Bundeswehrsoldaten am Hindukusch.

Unklar ist bisher, wann die Nato die Flugzeuge im türkischen Konya stationiert.

Die Abkürzung Awacs steht für Airborne Warning And Control System (Luftgestütztes Warn- und Kontrollsystem). Über ihren pilzförmigen Radaraufbau können die Maschinen Flugzeuge, Schiffe oder andere Objekte in bis zu 400 Kilometern Entfernung orten und identifizieren. Das elektronische Auge kann ein Gebiet von mehr als 312.000 Quadratkilometern überblicken - das ist fast die Fläche Deutschlands.

Diese Spezialversionen der Boeing 707 fliegen in der Regel in einer Höhe von rund 9000 Metern. Dabei können sie mehr als 800 Stundenkilometer schnell fliegen und mit einer Tankfüllung mehr als zehn Stunden in der Luft bleiben. Die Besatzung umfasst meist 16 Menschen. Neben zwei Piloten sind auch Computer- und Radarspezialisten an Bord. Die Nato-Frühwarnflotte besteht aus zwei Einsatzverbänden. 

ZEIT ONLINE, sp, dpa, Reuters

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