Politik : Afghanistan: Kabul: Al Qaida ließ Minister ermorden

Nach dem gewaltsamen Tod des afghanischen Luftfahrtministers Abdul Rahman in Kabul ist der Verdacht eines gezielten Mordes aufgekommen. "Es gibt den Verdacht, dass es nicht einfach nur eine Menge war, die gewalttätig wurde, dahinter könnte auch noch etwas Böseres stecken", sagte der britische Außenminister Jack Straw am Freitag in Kabul. Rahman war am Donnerstag während eines Massenaufruhrs von 1000 Pilgern auf dem Flughafen erschlagen worden.

Die Pilger hatten schon seit Tagen bei eisigen Temperaturen darauf gewartet, mit Flugzeugen zur islamischen Wallfahrt nach Mekka aufzubrechen. Als Rahman zum Flughafen kam, verbreitete sich die Nachricht, er wolle mit einer der bereitstehenden Maschinen der afghanischen Airline Ariana nach Indien aufbrechen. Die Menge umringte das Flugzeug, und der Minister wurde herausgeholt. Dann schlugen die Täter auf ihn ein. Rahman starb später im Krankenhaus. Die Übergangsregierung unter Hamid Karsai ließ den Flughafen der afghanischen Hauptstadt am Freitag abriegeln. Dutzende mit Maschinenpistolen bewaffnete Soldaten sicherten die Zufahrtsstraße und hinderten Passagiere und Journalisten am Betreten des Flughafens.

Augenzeugen berichteten, es habe nach der Tat keine Festnahmen gegeben. Die Täter seien zusammen mit den Pilgern nach Mekka in Saudi-Arabien entkommen. Straw, der kurz nach dem Verbrechen in Kabul eintraf, sagte, die internationale Schutztruppe (Isaf) habe Rahman nicht helfen können. "Das konnten sie nicht tun, weil das ziemlich weit davon entfernt war, wo sie waren. Es ist nicht ihre Verantwortung, das ist die eindeutige Verantwortung der Übergangsregierung", sagte Straw. Die Isaf ist nur für den militärischen Teil des Flughafens zuständig, während sich die afghanische Regierung bislang des Schutz des zivilen Teils vorbehielt.

Die afghanische Regierung macht für den Tod des Ministers offenbar die Al-Qaida-Organisation des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden verantwortlich. Der Lynchmord an dem Minister sei ein Versuch von Al Qaida gewesen, "die afghanische Interimsregierung und den Friedensprozess zu sabotieren", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag. Journalisten hätten die Szene am Flughafen von Kabul gefilmt und das Material dem Verteidigungsministerium zur Ansicht zur Verfügung gestellt. Aufgrund des Filmmaterials solle festgestellt werden, wer die treibenden Kräfte in der Menge waren, in der Minister Rahman umgebracht wurde, sagte der Sprecher. Die Festnahme der mutmaßlichen Täter sei "leicht", wenn sich die Täter "in Kabul oder in Saudi-Arabien" befänden.

Experten halten sowohl einen spontanen Gewaltausbruch der Menschenmasse als auch einen gezielten Mord für möglich. Afghanen konnten seit mehr als zwei Jahrzehnten nur noch unter großen Schwierigkeiten die Pilgerreise nach Mekka machen. Die Verzweiflung darüber, dass einer der erwarteten Flüge gestrichen werden sollte, könnte in Gewalt umgeschlagen sein. Für die Theorie eines gezielten Mordes spräche nach Ansicht von Beobachtern, dass Rahman zur Nordallianz gehörte, der auch in Kabul noch viele feindlich gegenüberstehen. Taliban oder Al-Qaida-Kämpfer, die unter den Pilgern waren, könnten die Menge zum Totschlag angestiftet oder die Anonymität der Masse zum Mord genutzt haben.

Vor Beginn des ausverkauften Fußballspiels zwischen "Kabul United" und Vertretern der internationalen Schutztruppe kam es am Freitag zu Ausschreitungen vor dem Stadion in Kabul. Mehrere Tausend Fans versuchten nach Augenzeugenberichten, sich ohne Karten in das Stadion zu drängen. Bewaffnete Polizisten und deutsche Soldaten der Isaf mussten sie mit Gummiknüppeln zurückhalten. Afghanische Polizisten gaben Schüsse in die Luft ab und zündeten Rauchbomben. Einige der Fans warfen Steine auf die Polizisten, die diese wieder zurückwarfen, wie ein Augenzeuge sagte.

Bedingungen für EU-Rechtshilfe

Europäische Rechtshilfe für die USA bei der Bekämpfung des Terrorismus soll es nur unter bestimmten Bedingungen geben. Darauf einigten sich die EU-Justizminister in Santiago de Compostela. Mutmaßliche Terroristen und Schwerverbrecher sollten nur an die USA ausgeliefert werden, wenn ihnen dort nicht die Todesstrafe drohe, sagte Spaniens Justizminister Angel Acebes.

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