Politik : Afghanistan: Kabul: Westliche Helfer bestreiten Vorwürfe

Zum ersten Mal seit ihrer Festnahme am 3. August in Afghanistan sind acht ausländische Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now vor einem Gericht in Kabul erschienen. Die Angeklagten, unter ihnen vier Deutsche, bestritten, sie hätten christliche Missionierung in dem von radikalen Islamisten beherrschten Land betrieben. "Die Vorwürfe sind unwahr", sagte Georg Taubmann, der örtliche Leiter der in Deutschland ansässigen Hilfsorganisation. Das Gericht erlaubte den Angeklagten, sich selbst zu verteidigen oder sich Anwälte ihrer Wahl zu nehmen.

Der Vorsitzende Richter Nur Mohammed Sakib vertagte die Verhandlung nach zwei Stunden. Er wolle die Behörden unterrichten, um die Suche nach Anwälten zu erleichtern. Erst dann werde ein neuer Prozesstermin anberaumt werden, sagte Sakib. Zu dem seit Dienstag laufenden Prozess waren am Samstag erstmals auch diplomatische Vertreter, zwei Angehörige und Medienvertreter zugelassen.

Der deutsche Diplomat Helmut Landes forderte weitestgehende Kontaktmöglichkeiten zu den Inhaftierten, um ihnen bei der Vorbereitung ihrer Verteidigung helfen zu können. Richter Sakib versicherte, die Angeklagten würden sich so oft sie wollten mit ihren Anwälten beraten können. Es sei jedoch nicht erforderlich, dass Diplomaten oder Angehörige die Inhaftierten jederzeit besuchen könnten.

Zusammen mit den vier Deutschen, zwei Australiern und zwei Amerikanerinnen waren auch 16 Afghanen verhaftet worden. Diesen droht bei einer Verurteilung wegen Konversion zum Christentum die Todesstrafe. Auch für die acht Ausländer hat der Vorsitzende Richter die Todesstrafe nicht ausgeschlossen.

Taubmann sagte dem Gericht: "Wir sind erschüttert über die Anschuldigungen. Uns wurde nie die Gelegenheit gegeben, unseren Standpunkt zu erklären." Der australische Shelter-Mitarbeiter Peter Bunch sagte: "Ich bin seit fünf Wochen in Haft und erst einmal verhört worden. Ich weiß nicht, was ich verbrochen habe." Ein anderer Angeklagter erklärte: "Wir wurden nicht darüber informiert, was uns vorgeworfen wird oder warum wir festgehalten werden." Eine der drei deutschen Frauen verlangte einen Dolmetscher, als ihr ein Formular in afghanischer Sprache vorgelegt wurde. "Meine Zukunft könnte davon abhängen, was ich auf dieses Formular schreibe, aber ich kann es nicht lesen", sagte sie. Die Angeklagten waren zu dem Gerichtsgebäude in einem Kleinbus gefahren worden, der von bewaffneten Kämpfern der regierenden radikal-islamischen Taliban eskortiert wurde. Später wurden sie in derselben Weise weggebracht.

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