Politik : Afghanistan: Kampferprobt

hmt/AP

Der Kandidat hatte Wichtigeres zu tun als zu verhandeln: Während auf dem Petersberg die Afghanen über die Übergangsregierung stritten, kämpfte deren künftiger Chef Hamid Karsai bei Kandahar gegen die Taliban. Der 46-jährige Stammesfürst konnte seine Botschaften nur über ein Telefon an die Landsleute ins ferne Rheinland senden.

Karsai gilt als Wunschkandidat der vier Parteien auf dem Petersberg wie auch der UN und der Diplomaten aus den USA und Europa. Gerühmt wird an dem erfahrenen Politiker die Mischung aus Modernität und Traditionsbewusstsein sowie seine Integrationsfähigkeit. Als Paschtune vertritt er die größte Bevölkerungsgruppe des Landes. Im Kontakt mit dem Ausland kommt dem Afghanen zu Gute, dass er fließend englisch spricht. Anders als viele andere Rückkehrer verbrachte er die meiste Zeit im eigenen Land, lebte nur in den vergangenen Jahren in Pakistan. Unter der Sowjetherrschaft war er in den 80er Jahren im Exil in den USA, wo er eine Kette afghanischer Restaurants aufzog. Nach der Vertreibung der Sowjets war Karsai von 1992 bis 1994 stellvertretender Außenminister der Mudjahedin-Regierung. Den Taliban und ihrem Versprechen, Ordnung zu schaffen, stand er anfangs mit Sympathie gegenüber. Er brach mit den Radikalen, als der Einfluss arabischer und pakistanischer Extremisten wuchs. Mit seinem später ermordeten Vater gründete er 1997 in Pakistan eine Anti-Taliban-Bewegung.

Beeindruckt hatte Karsai die Verhandler auf dem Petersberg mit einer Botschaft aus seiner Heimat: "Dieses Treffen ist der Weg zum Heil", sagte er. "Wir sind eine Nation, haben eine Kultur. Wir sind vereint, nicht geteilt. Wir glauben alle an den Islam, aber an einen toleranten Islam."

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