Afghanistan : Karsai kritisiert ausländische Truppen

Nach dem Tod zahlreicher Zivilisten bei Einsätzen der Nato-Schutztruppe, der Isaf und der US-geführten Koalition hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai deren "wahllose und ungenaue" Militäreinsätze kritisiert.

Hamid Karsai
Hamid Karsai: Afghanistans Präsident beklagt die zivilen Opfer der afghanischen Bevölkerung.Foto: ddp

Kabul/ChostDie afghanische Regierung werde es nicht länger hinnehmen, dass bei den Einsätzen der Nato-Schutztruppe Isaf und der US-geführten Koalition unbeteiligte Afghaner ums Leben kämen, kritisierte Afghanistans Präsident Hamid  Karsai in Kabul die hohe Zahl ziviler Opfer. Allein bei einem Einsatz in der südlichen Provinz Urusgan seien unlängst 52 seiner Landsleute getötet worden.

"Ab sofort müssen sie so arbeiten, wie wir es ihnen sagen", erklärte Karsai. Die Isaf erklärte, sie habe bis zu achtzig mutmaßliche Taliban getötet. "Angriffe, bei denen Zivilisten sterben, sind - wie ich schon in der Vergangenheit gesagt habe - für uns nicht hinnehmbar", sagte Karsai sichtlich verärgert vor Journalisten in seinem Amtssitz. "Wir werden das nicht länger ertragen.» Er habe die Isaf und die US-Koalition wiederholt aufgefordert, ihre Einsätze mit den afghanischen Sicherheitskräften abzustimmen, damit keine Zivilisten zu Schaden kämen. Diese Aufrufe seien ungehört verhallt, kritisierte der Staatschef. Die Isaf teilte mit, sie habe im Südosten des Landes bis zu sechzig mutmaßliche Taliban getötet. Soldaten der Schutztruppe hätten in der Provinz Paktika eine Gruppe von 45 radikalislamischen Kämpfern und einige kleinere Gruppen bombardiert.

Karsai beklagt hohe Zahl ziviler Opfer

Der Einsatz im Bezirk Barmal im Grenzgebiet sei mit den pakistanischen Behörden abgesprochen gewesen, habe aber auf afghanischem Gebiet stattgefunden. Bei einem stundenlangen Schusswechsel in der Provinz Kandahar seien am Freitag knapp zwanzig Kämpfer getötet worden. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums starben in dem Land am Hindukusch seit März fast 1600 Aufständische bei Kämpfen mit ausländischen und afghanischen Soldaten. Außerdem seien 23 potenzielle Selbstmordattentäter festgenommen worden. Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Ranghohe Isaf-Kommandeure drückten derweil ihr Bedauern über einen Zwischenfall aus, bei dem am Freitag etliche Zivilisten ums Leben gekommen waren. Offiziere der Nato-geführten Truppe hätten sich in der südafghanischen Provinz Helmand mit Dorfältesten getroffen, um über den Zwischenfall zu reden, teilte das britische Kontingent der Isaf mit.

Die Kommandeure hätten "tiefes Bedauern über diesen tragischen Unfall ausgedrückt". Die Polizei in der Unruheprovinz hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Nato bei einem Einsatz gegen Aufständische versehentlich zwei oder drei Wohnhäuser getroffen habe. Dabei seien 25 Zivilisten gestorben, unter ihnen neun Frauen und drei Kleinkinder. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer kündigte Ermittlungen an. (mit AFP)

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