Afghanistan-Krieg : Washington dementiert Truppenverstärkung

Trotz anderslautender Berichte: Der Pressesprecher des Weißen Hauses beteuert, dass Präsident Obama noch nicht über die Entsendung Tausender Soldaten entschieden hätte.

Josef Joffe

Das Weiße Haus kämpft gegen die Journaille: Am Montagabend (Ostküsten-Zeit) hatten die Medien aufgeregt von einer heroischen Entscheidung des Präsidenten berichtet. Er wolle seinem Oberbefehlshaber in Afghanistan, General McChrystal, endlich seinen Wunsch erfüllen und 34.000 oder gar 40.000 Mann zusätzlich nach Afghanistan entsenden – und dies für eine unbestimmt "lange Zeit". Seit Dienstagnachmittag wird zurück geschossen. Robert Gibbs, der Pressesprecher in Weißen Haus, nahm sich einen Haufen Reporter vor, die in der Air Force One mit zu den Trauerfeierlichkeiten in Fort Hood geflogen waren.

"Jeder, der euch erzählt, dass der Präsident eine Entscheidung getroffen hätte, weiß nicht, wovon er redet. Die muss noch getroffen werden." Dann machte sich Gibbs lustig: Er finde es "amüsant", eine "Gruppe von Leuten zu erleben, die zu wissen glaubt, was nur der Präsident weiß". Was denn nun Sache sei, wollten die Reporter wissen. Es gebe, wie alle wissen, vier Optionen, antwortete der Presschef, und "die wird der Präsident morgen (Mittwoch) mit seinen Beratern diskutieren". Er selber, Gibbs, werde den Jungs im Flugzeug nicht verraten, was die vier Optionen sind.

"Wir werden es euch wissen lassen", füge Gibbs hinzu, "wenn die Entscheidung gefallen ist." Auf jeden Fall werde der Präsident sich Zeit nehmen, um dem amerikanischen Volk seine Entscheidung zu erläutern. Wann das sein werde – morgen, übermorgen, in ein paar Wochen? Das werde er nicht sagen, beendete Gibbs das Gespräch.

Trotzdem: Wo in Washington Rauch ist, da ist auch Feuer, weil in dieser Hauptstadt nichts geheim bleibt. Dass am Montagabend so viele Journalisten die Sensation gemeldet haben, lässt auf eine Quelle oder gar mehrere schließen, die die Nachricht von der massiven Verstärkung der Truppe gestreut haben. Auf jeden Fall ist so der Zeitplan des Weißen Hauses durcheinander geraten, das am gestrigen Dienstag die Bilder mit einem ganz anderen Auftritt zu beherrschen gedachte: Von der Trauerfeier für die 13 Terror-Toten von Fort Hood.

Während in ganz Amerika die Flaggen auf Halbmast stehen, wäre es in der Tat höchst unpassend gewesen, den Krieg in Afghanistan in den Vordergrund zu rücken – mit mehr Soldaten und mehr potenziellen Toten. Lange aber lässt sich die Entscheidung jetzt nicht mehr herauszögern.

Quelle: ZEIT ONLINE

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