Afghanistan : Kritik an Befreiung von Journalisten

Der britische Geheimdienst soll die Aktion gestartet haben, obwohl mit den Taliban Verhandlungen über ein Lösegeld liefen.

Kabul/London - Die gewaltsame Befreiung eines in Afghanistan entführten britisch-irischen Journalisten, bei der vier Menschen getötet wurden, ruft zunehmend Kritik hervor. Obwohl mit den Taliban Verhandlungen über ein Lösegeld liefen, habe der britische Geheimdienst die Befreiungsaktion gestartet, berichtete am Donnerstag der „Guardian“ unter Berufung auf Kreise, die an den Verhandlungen beteiligt waren. Zwei britische Minister ordneten den Einsatz an.

Bei dem Einsatz in der Nacht zum Mittwoch im Norden Afghanistans wurden vier Menschen getötet – der afghanische Kollege des befreiten Briten Stephen Farrell, Sultan Mohammad Munadi, ein britischer Soldat sowie eine afghanische Frau und ein Kind. Der britische Geheimdienst habe ohne Kenntnis der Lage vor Ort eingegriffen, hieß es im „Guardian“. Die britische Regierung bestätigte ihrerseits Medienberichte, dass der Einsatz von Außenminister David Miliband und Verteidigungsminister Bob Ainsworth genehmigt worden war.

Der Vorsitzende des afghanischen Verbands unabhängiger Journalisten, Nakibullah Taib, kritisierte, dass die afghanischen Mitarbeiter der ausländischen Reporter nicht wie diese auf solche Einsätze vorbereitet würden. Er forderte gleiche Trainingsmaßnahmen für ausländische und afghanische Kollegen. Der Afghanische Medien-Club (MCA), ein informeller Zusammenschluss afghanischer Journalisten mit ausländischen Arbeitgebern, bezeichnete das Vorgehen des britischen Kommandos als „unmenschlich“.

Kritisiert wird unter anderem, dass die Briten bei dem Einsatz die Leiche des afghanischen Übersetzers und Reporters Munadi einfach zurückließen. Seine Familie habe die von Kugeln durchsiebte Leiche später unter großer Gefahr ohne jegliche Hilfe selbst bergen müssen, verlautete aus dem Umfeld der Familie. Der 34-jährige Munadi, Vater von zwei Kindern, hatte in Deutschland Politikwissenschaften studiert. AFP

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