Afghanistan : Kundus könnte an die Taliban fallen

Die nordafghanische Stadt Kundus könnte erneut von den radikalislamischen Taliban erobert werden. Bis 2013 war in Kundus noch die Bundeswehr stationiert gewesen.

Das Bild aus dem Jahr 2016 zeigt afghanische Sicherheitskräfte im Kampf den Chardara-Distrikt in der Provinz Kundus.
Das Bild aus dem Jahr 2016 zeigt afghanische Sicherheitskräfte im Kampf den Chardara-Distrikt in der Provinz Kundus.Foto: dpa

Die nordafghanische Stadt Kundus droht erneut in die Hand der radikalislamischen Taliban zu fallen. Die schweren Kämpfe um die gleichnamige Provinz gingen am Mittwoch in den fünften Tag. Behördenvertreter warnten vor einem erneuten Fall der Provinzhauptstadt. Bis 2013 war in Kundus noch die Bundeswehr stationiert gewesen.

„Es gibt Kämpfe an einem Tor zu Kundus-Stadt, diverse Sicherheitsposten sind von den Taliban umzingelt und die Schnellstraße in die Provinzen Tachar und Badachschan ist gesperrt“, sagte ein Provinzratsmitglied, Sajed Assadullah Sadat, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Im Herbst 2015 hatten die Islamisten die Stadt, die eine der größten des Landes ist, schon einmal für knappe zwei Wochen vollständig unter Kontrolle. Im Herbst 2016 drangen Talibankämpfer wieder in die Stadt ein und lieferten sich tagelang Kämpfe mit Sicherheitskräften.

Wer konnte, ist längst aus Kundus geflohen

Seit drei Jahren trügen die Bewohner der Provinzhauptstadt „schon ihre Habseligkeiten auf dem Rücken“, sagte Sadat. Jeder, der die Mittel habe, sei geflohen. Er habe keinen Zweifel mehr, dass Kundus wieder an die Taliban fallen werde.

Ein Bewohner der Stadt, Chaluddin, erzählte von einem „seltsamen Leben“ in Kundus-Stadt. Ladenbesitzer brächten ihre besten Waren in Sicherheit, Geschäfte schlössen täglich schon um 14.00 Uhr.

Erst vor vier Tagen hatten die Taliban auch den Bezirk Kala-e Sal eingenommen. In den meisten anderen kontrolliert die Regierung nur noch das Zentrum. Die volle Eroberung von Kundus ist ein Hauptziel der Taliban, die jüngst ihre Frühjahrsoffensive begonnen haben. (dpa)

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