Politik : Afghanistan: Lebenszeichen aus Tora Bora

Ashwin Raman

Ayman al-Zawahiri ist sich seiner Sache ganz sicher: "Osama bin Laden ist in Tora Bora, er wird dort bleiben und bis zum Ende kämpfen", sagte der engste Vertraute bin Ladens, am Donnerstag in einem Interview des Londoner Magazins al-Majallah. Zawahiri, der die Anschläge am 11. September in den USA maßgeblich mitgeplant haben soll, sagte weiter: "Wir verstecken uns nicht in Höhlen und weichen Konfrontationen nicht aus. Martyrium ist unser Wunsch, unser Sieg." Während des Gesprächs betonte Zawahiri mehrmals, dass weder er noch andere führende Al-Qaida-Kämpfer "aus Afghanistan weglaufen" würden. Zawahiri, der auch der Gründer der ägyptischen Organisation Dschihad ist, sagte weiter, dass eine Al-Qaida-Kämpferin in der vergangenen Woche sich selbst und zwei Soldaten einer amerikanischen Spezialeinheit in die Luft gesprengt habe. Das Interview ist allein deshalb interessant, weil Zawahiri schon totgesagt worden war. Nun kann man davon ausgehen, dass er noch lebt. Nur seine Frau und zwei Kinder seien in Tora Bora ums Leben gekommen, so Zawahiri.

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Die Zeitung Frontier Post aus Peschawar widerspricht Zawahiri allerdings und berichtet, dass bin Laden seit zehn Tagen in Pakistan sei. Abu Jaffar, ein Al-Qaida-Kämpfer, sagte der Zeitung: "Osama hat Tora Bora in den vergangenen zwei Wochen zweimal verlassen. Einmal, um Mullah Omar außerhalb Kandahars zu treffen, und ein zweites Mal, um nach Pakistan zu flüchten." Bei der Flucht sei ihm von den Paschtunen des Ghilzi-Stammes geholfen worden.

Der 19-jährige Sohn bin Ladens, Salahuddin, soll jedoch immer noch in Tora Bora sein. Jaffar berichtet, dass es unter den Al-Qaida-Kämpfern eine Auseinandersetzung über eine mögliche Kapitulation gab. Die algerischen und tschetschenischen Kämpfer hätten bis zum Letzten Widerstand leisten wollen, während Kämpfer aus Saudi-Arabien, Jemen und Ägypten zur Aufgabe bereit gewesen seien. Als jedoch bekannt geworden sei, dass amerikanische und britische Kommandos in Tora Bora seien, hätten sich alle entschlossen, "die Ungläubigen zu bekämpfen". Grafik: Mögliche Aufenthaltsorte Bin Ladens Am Freitag wurde es allerdings eng für die Al-Qaida-Truppen, als ihre Gegner meldeten, sie hätten eine Höhle in der Bergfestung Tora Bora eingenommen, in der sich noch kürzlich der Extremistenführer Osama bin Laden aufgehalten haben soll. Der Militärchef der Ostallianz, Hasrat Ali, erklärte, in einem Höhlenkomplex seien rund 100 bis 120 Al-Qaida-Kämpfer umzingelt worden, sie könnten nicht mehr fliehen. Ein anderer Kommandeur berichtete, die USA hätten dieses Gebiet zwar bombardiert, der Höhleneingang sei aber sicher vor Bomben gewesen.

Etwa 120 Al-Qaida-Soldaten sollen in den vergangenen drei Wochen durch die amerikanische Bombardierungen umgekommen sein. Medienberichten zufolge werden die Verletzten in einem gut ausgerüsteten Lazarett des Höhlenkomplexes behandelt. Vielen Kämpfern ist offenbar auch die Flucht nach Pakistan gelungen. Einige Offiziere der Ostallianz sollen gegen Bezahlung als Fluchthelfer fungiert haben. Den amerikanischen Militärberatern ist dies nicht verborgen geblieben. Sie haben wenig Vertrauen in Kommandeure wie Haji Zaman Ghamsharik und seine Truppen von dem Hugani-Stamm, die bis vor kurzem die Tunnel in Tora Bora ausgebaut haben sollen und nun auf der Seite der Anti-Taliban-Kräfte stehen. Deshalb haben die Amerikaner hier zusätzlich Truppen aus der Nordallianz eingesetzt.

Kurioserweise sind in den Reihen der Nordallianz auch Taliban, die in Masar-i- Sharif gefangen genommen wurden. Einer dieser Taliban, Asif Gul, sagte offen gegenüber pakistanischen Medien: "Viele meinerKameraden wurden von den Amerikanern getötet. Ich werde ihnen das nie verzeihen." Ein weiterer Taliban meinte: "Osama ist wie ein Vogel. Er kann wegfliegen wann und wohin er will. Ihr werden ihn nie fangen können."

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