Afghanistan : Militär bereit zu Angriff - Taliban drohen mit Massaker

Im Drama um die in Afghanistan verschleppten Südkoreaner bahnt sich möglicherweise ein Einsatz des Militärs an, um die Geiseln gewaltsam zu befreien. Die Taliban drohen damit, im Fall eines Befreiungsversuchs alle Geiseln zu töten.

Kabul/SeoulDie afghanische Armee startete am Mittwoch in der Provinz Ghasni, in der die Taliban die 21 Geiseln festhalten, eine größere Operation, an der Hubschrauber beteiligt sind. Zuvor hatte das Militär Flugblätter verteilt, in denen die Bevölkerung vor einem Kampfeinsatz gewarnt wird. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul sagte zwar, der Einsatz richte sich gegen die islamistischen Rebellen, doch sei keine gewaltsame Befreiung der Geiseln geplant. Dennoch hielten sich in Kabul hartnäckig Gerüchte, die Südkoreaner sollten in den nächsten Tagen aus dem Versteck der Taliban herausgeholt werden. Angeblich trafen sich Vertreter der Regierung Karsai mit US-Militärs, um über den Einsatz zu beraten. Südkoreas Regierung kündigte an, mit den Taliban verhandeln zu wollen. Südkoreas Botschafter in Kabul bat in einer TV-Ansprache das afghanische Volk um Hilfe.

Am Mittwoch war ein weiteres Ultimatum der Entführer an die afghanische Regierung abgelaufen. Die Taliban fordern die Freilassung acht inhaftierter Kämpfer und haben bereits zwei Südkoreaner ermordet. Die islamistischen Rebellen drohen, alle Geiseln zu töten, sollte es den Versuch einer militärischen Befreiung geben. Falls Druck auf sie ausgeübt werde, sei das Leben der Geiseln in Gefahr, sagte ein Sprecher. Sie seien "bereit mit Gewalt zu antworten". Der Sprecher behautete, die meisten Südkoreaner seien erkrankt, zwei Frauen sogar schwer. Die christliche Gruppe war vor zwei Wochen in Ghasni verschleppt worden.

In deutschen Sicherheitskreisen hieß es, möglicherweise veranstalte die afghanische Armee in Ghasni nur eine Demonstration der Stärke. Außerdem seien amerikanische und britische Spezialeinheiten viel besser für einen besonders riskanten Einsatz geeignet. Dennoch bleibe auch bei einem Angriff von Elitesoldaten die Gefahr „sehr groß“, dass es zu einem Gemetzel kommt und alle Geisel sterben. Die Beteiligung südkoreanischer Spezialkräfte sei unwahrscheinlich, hieß es.

Der ebenfalls in der Provinz Ghasni festgehaltene deutsche Bauingenieur Rudolf B. soll nach Informationen des Tagesspiegel nur über Verhandlungen mit den Geiselnehmern freikommen. Ein Militäreinsatz komme nicht infrage, hieß es im Umfeld der Bundesregierung. Das am Dienstag vom arabischen TV-Sender Al Dschasira ausgestrahlte Video der Entführer, die nicht dem harten Kern der Taliban zugerechnet werden, sei bedrohlich, bedeute aber keine dramatische Zuspitzung. Die Geiselnehmer hatten Rudolf B. gezwungen, vor laufender Kamera die Freilassung festgenommener Talibankämpfer und den Abzug von Bundeswehr und US-Armee aus Afghanistan zu fordern. Angesichts der Sicherheitsprobleme schränken deutsche Hilfsorganisationen ihre Arbeit in Afghanistan ein. Das Malteser-Hilfswerk zieht sich zurück. Tsp/tso

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