Afghanistan : Militär startet Großangriff auf Taliban

Internationale und afghanische Truppen sind in eine der letzten Hochburgen der Radikalislamisten eingerückt. Mit 15.000 Soldaten ist es die größte Offensive seit 2001.

Im Süden Afghanistans haben US-geführte Truppen die lang angekündigte Offensive gegen die letzte große Taliban-Hochburg in der Provinz Helmand begonnen. Nach eigenen Angaben stoßen sie dabei zunächst auf wenig Gegenwehr. Die afghanischen und internationalen Soldaten seien nach Beginn der Operation "Muschtarak" (Gemeinsam) zu Fuß, in Lastwagen und mit Hubschraubern in den Distrikt Mardscha einmarschiert, sagte ein Armeesprecher. Die Taliban würden bislang nur "minimalen Widerstand" leisten. Die Region Mardscha ist ein wichtiges Anbaugebiet für Opium.

In der Stadt Mardscha leben rund 80.000, im ganzen Bezirk rund 125.000 Menschen. Bereits im Vorfeld verließen viele Einwohner die Stadt, um der Gewalt zu entgehen, unzählige weitere wurden von den Taliban in den vergangenen Tagen an der Flucht gehindert. In Flugblättern und über Lautsprecher forderten die Nato-Streitkräfte die Zivilbevölkerung auf, nach Beginn der Offensive in ihren Häusern zu bleiben. Sie betonten in ihren Botschaften immer wieder, sie seien gekommen, um Mardscha von Terroristen zu befreien. Gleichzeitig warnten sie die Bevölkerung davor, Taliban bei sich zu beherbergen.

Wie viele Aufständische noch in der Stadt waren, war unklar. Schätzungen schwankten zwischen 400 und 1000. Sie zu besiegen, wird nach Nato-Angaben einige Wochen dauern. Eines der größten Probleme dürften nach Einschätzung der US-geführten Truppen dabei die unzähligen in der Region versteckten Sprengsätze der Aufständischen sein.

Mardscha ist fest in unter Kontrolle von Taliban und Drogenhändlern, die seit Jahren dort gemeinsame Sache machen – Opium gehört zu den Haupteinnahmequellen der Aufständischen. Mit ihrer Offensiven verfolgen die Nato-Truppen und ihre afghanischen Verbündeten die Strategie, die Taliban endgültig aus den Gebieten zu vertreiben und Schritt für Schritt unter Kabuls Kontrolle zu stellen.

Dem Vernehmen nach sollen nach dem Ende der Offensive bis zu 1000 afghanische Polizisten in die Region kommen und dabei helfen, ein ziviles System mit Schulen, Krankenhäusern und normaler Rechtssprechung einzurichten. Die Bauern soll zudem dabei unterstützt werden, ihren Anbau von Opium auf normale Feldfrüchte umzustellen.

Im Gegensatz zu früheren Offensiven wurde der Angriff auf Mardscha lange im Voraus öffentlich angekündigt. Die Nato hofft, dass deswegen viele Taliban-Kämpfer die Flucht ergreifen oder sich ergeben werden. Zudem ist die Bevölkerung dieses Mal nicht aufgefordert worden, das Kampfgebiet zu verlassen. 

Die etwa 100.000 Menschen blieben ihrerseits aus Angst vor Sprengfallen der Islamisten in ihren Häusern. "Wir haben keine Jets oder Panzer", sagte Taliban-Kommandeur Kari Fasluddin der Nachrichtenagentur Reuters vor dem Beginn der Offensive. "Aber wir haben bereits Hunderte von Sprengfallen am Straßenrand gelegt, um den Invasoren hohe Verluste zuzufügen."

Mit der neuen Strategie versucht das US-Militär die Fehler zu vermeiden, die 2004 bei der Einnahme von Falludscha im Irak begangen wurden. Damals wurden große Teile der Stadt zerstört.

Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters

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